Er ging hinauf unter dem grauen Laub
ganz grau und aufgelöst im Ölgelände
und legte seine Stirne voller Staub
tief in das Staubigsein der heißen
Hände.
Nach allem dies. Und dieses war der Schluß..
Jetzt soll ich gehen, während ich
erblinde,
und warum willst Du, daß ich sagen
muß
Du seist, wenn ich Dich selber nicht mehr
finde.
Ich finde Dich nicht mehr. Nicht in mir,
nein.
Nicht in den andern. Nicht in diesem Stein.
Ich finde Dich nicht mehr. Ich bin allein.
Ich bin allein mit aller Menschen Gram,
den ich durch Dich zu lindern unternahm,
der Du nicht bist. O namenlose Scham...
Später erzählte man: ein Engel
kam -.
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht
und blätterte gleichgültig in
den Bäumen.
Die Jünger rührten sich in ihren
Träumen.
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht.
Die Nacht, die kam, war keine ungemeine;
so gehen hunderte vorbei.
Da schlafen Hunde und da liegen Steine.
Ach eine traurige, ach irgendeine,
die wartet, bis es wieder Morgen sei.
Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern,
und Nächte werden nicht um solche
groß.
Die Sich-Verlierenden läßt alles
los,
und sie sind preisgegeben von den Vätern
und ausgeschlossen aus der Mütter
Schoß..
(Rainer Maria Rilke)
Am Kreuzweg wird begraben
Wer selber sich brachte um;
Dort wächst eine blaue Blume,
Die Armesünderblum'.
Am Kreuzweg stand ich und seufzte;
Die Nacht war kalt und stumm.
Im Mondschein bewegte sich langsam
Die Armesünderblum'.
(Heinrich Heine)