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../Grafiken/federHeine, Heinrich (1797-1856)

[Mandragora - Alraune]

Diese Wurzel wächst unter dem Galgen, wo die zweideutigsten Tränen eines Gehenkten geflossen sind. 
Sie gab einen entsetzlichen Schrei, als die schöne Isabella sie dort um Mitternacht aus dem Boden gerissen. 
Sie sah aus wie ein Zwerg, nur daß sie weder Augen, Mund noch Ohren hatte. 
Das liebe Mädchen pflanzte ihr ins Gesicht zwei schwarze Wacholderkerne und eine rote Hagebutte, woraus Augen und Mund entstanden. 
Nachher streute sie dem Männlein auch ein bißchen Hirse auf den Kopf, welches als Haar, aber etwas struppig, in die Höhe wuchs. 
Sie wiegte das Mißgeschöpf in ihren weißen Armen, wenn es wie ein Kind greinte; mit ihren holdseligen Rosenlippen küßte sie ihm das Hagebuttmaul ganz schief; sie küßte ihm vor Liebe fast die Wacholderäuglein aus dem Kopf; und der garstige Knirps wurde dadurch so verzogen, daß er am Ende Feldmarschall werden wollte und eine brillante Feldmarschalluniform anzog und sich durchaus "Herr Feldmarschall" titulieren ließ.

Aus: Die romantische Schule Drittes Buch

Weitere Heinrich Heine - Gedichte

Buchtipps:

Es flüstern und sprechen die Blumen  Gedichte von Heinrich Heine mit Kunstwerken seiner Zeit 56 S. Prestel 2006
Die Harzreise. Auf Heinrich Heines Spuren von Werner Filmer, Walter Mayr Ellert & Richter 1997
Essen und Trinken mit Heinrich Heine. Mit neun Heinrich-Heine-Creationen von Jean Claude Bourgueil dtv 2005
Interpretationen:Gedichte von Heinrich Heine Reclam 1995

Pflanzenporträt Mandragora

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