Totenblumen, Grabpflanzen
/ Friedhofsgärtnerei / Gräber
Pflanzen als Symbol für
Tod und Trauer - Blumen trösten
Wenn Sie möchten, mit passender
Trauermusik
(Midi von
Hermann Oettjes)
Der November ist in Persien der Monat des Todesengels.
Der Brauch, die Gräber verstorbener Angehöriger zu pflegen, ist
auch im christlichen Kulturkreis weit verbreitet. Totenfeste wurden bzw.
werden aber auch z. B. auch bei den Südseeinsulanern, auf den Tongainseln,
bei den Aboriginals in Australien, den Hindus gefeiert.
Die Ägypter, diese "Sachverständigen
des Totenkults", legten Blumenkränze, oft aus Reseda, auf die Mumien;
Mohnblüten wurden in einem pharaonischen Grab gefunden. Resedakränze
wurden auch von den Arabern verwendet.
Die Totengärten der Antike waren oft
mit Rosen bepflanzt - ja, man nannte die Friedhöfe sogar "Rosengarten".
Die Griechen gaben ihren Toten Myrthenkränze
und streuten Lilien auf die Gräber.
Am 1. und 2. November jeden Jahres werden
in Mexiko die im Haus die sogenannten Ofrendas (Gabentische für die
Toten) gebaut. Dann kommen nach altem Volksglauben nämlich die Seelen
der Toten zurück und die Lebenden stehen ihnen mit Getränken
und Speisen (das sogenannte "Totenbrot") zu Diensten. Man glaubt
dort, daß die Toten besonders gut die Farbe gelb sehen können.
Aus diesem Grunde bildet man einen Blütenpfad mit der Tagetes-Blume
(Tah-geh`tease, wohl von daher - verdeutscht- der Name dieser auch bei
uns beliebten einjährigen Pflanze) von der Tür des Hauses
bis zum Gabentisch, um der Totenseele die Suche zu erleichtern.
Mehr
zum Totenfest in Mexiko
Weitverbreitet war in alten Zeiten der Glaube,
daß einige Pflanzen todverkündend sind: wenn die Petersilie
nicht aufgeht, wird bald die Person sterben, die sie gesät hat, hieß
es; und eine weiß blühende Hauswurz
auf dem Dach verkündete angeblich den Tod eines Hausbewohners. Sempervivum steht aber eigentlich für das ewige Leben; lat.: semper vivum = immer lebend.
Die Aster wird im Volksbrauchtum auch Allerseelenblume genannt.
Blumensprache, Symbolsprache, Symbolformen
und Symbolfarben
Man deutete früher zufällig auf den
Gräbern zufällig wachsenden Pflanzen eine eigene Bedeutung zu.
Ging eine Distel oder Königskerze auf, wies dies darauf hin, dass
der Verstorbene im Fegefeuer schmachtete und um eine Fürbitte oder
Seelenmesse ersucht. Später wurden Blumen für Gräber
weniger nach der Eignung ausgewählt, schon gar nicht nach ästhetischen
Gesichtspunkten, sondern nach ihrem Symbolcharakter.
Wichtige Symbolträger, Symbolpflanzen
auf dem Friedhof sind auch heute noch immergrüne Pflanzen wie der
Efeu
oder das
Immergrün (Vinca), die beide symbolisch für Treue und Ewigkeit stehen.
In Europa sind Buchsbaum, Zypresse, Taxus
und Palme immer Totenbäume gewesen, wie auch Espe und Weide
Symbole der Trauer waren und sind. Die hängende Form mancher Bäume
nennen die Gärtner "Trauerform" - am bekanntesten ist da wohl die
Trauerweide.
Im 17. und 18. Jhd. wurde Rosmarin
"die" Totenblume; die deutschen Bauern trugen bei Leichenbegräbnissen
einen Rosmarinzweig in der Hand.
Weitere symbolhafte Pflanzen sind - für
die Frühjahrsblüte - die weissen Engelstränen-Narzissen
und das Tränende Herz (Dicentra spectabilis). Frauenmantel
und Mohn sind Sinnbilder
des sanften Todes, wobei der Mohn im englischsprachigen Raum auch
Symbol für das Gedenken an gefallene Soldaten ist. Dies geht zurück
auf den Ersten Weltkrieg, in dem auf den frisch aufgeschütteten Hügeln
der Soldatengräber als erstes der Klatschmohn zu blühen begann.
Als "Marienblume" stehen Gänseblümchen
für die Bescheidenheit, Lilien
für die Reinheit und u. a. Golderdbeeren (Waldsteinia ternata) für
die Dreifaltigkeit (dreigeteiltes Laub); Disteln und Stechpalmen
symbolisieren Leid und Schmerz.
Manche Blumen nennt man im Volksmund ganz direkt
"Totenblumen" - z. B. Ringelblumen und Tagetes - auch sie zählen zum
traditionellen Grabschmuck.
Eine beliebte Symbolform
für das Grab stellt der Kranz (ohne Anfang und Ende) dar. Ein Blumenkranz,
Grabkranz oder auch Trauerkranz ist auch heute noch selbstverständlich
bei Begräbnissen. Er ist der letzte Ausläufer des Glaubens, dass
die Seele im Jenseits Trost brauche. Beim herbstlichen bzw. winterlichen
Grabschmuck akzeptiert man durch selbstgebundene Kränze aus
buntgefärbten Herbstblättern oder immergrünen Zweigen den
Aspekt der Vergänglichkeit.
Auf den Gräber findet man bei der blumenmäßigen
Gestaltung natürlich oft ein Kreuz oder auch einen Fisch, beide
starke Zeichen des Christentums, manchmal aber auch das A und
O - als Symbol für Anfang und Ende; ein Herz bedeutet natürlich
Liebe und Zuneigung,
Farbenmäßig sticht das Weiß
für Friede und Reinheit hervor, das Violett steht für die Kirche,
blau für die Treue, schwarz für Trauer, gelb für Wärme
und rot für die Liebe - hier sind die Bedeutung der Farben wie im
Leben gleich.
Aber Friedhöfe
sind nicht Plätze ausschließlicher Trauer. Zwischen den vielen
Grabsteinen wachsen und ranken Farne,
Efeu und wilder Wein; es gibt herrliche Bäume und oft auch schöne
Blumen. Im Sommer kommen auch die Lebenden, um ein bißchen
Ruhe zu haben, Zeitung zu lesen oder einfach nur die Parkatmosphäre
zu genießen.
Hier einige Beispiele schöner Friedhof-Parks:
Linktips:
Buchtipps:
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