Sebastian
Frank Alte, wunderliche Feste
Straßburg 1531
Drei Donnerstage vor Weihnachten klopfen die Mägdelein
und Knaben von Haus zu Haus durch die Stadt an die Türen an, die Zukunft
der Geburt des Herrn verkündigend und den Einwohnern ein glückseliges
Jahr wünschend. Danach empfangen sie von den Haussässigen Äpfel,
Birnen, Nüsse und auch Pfennige zum Lohn.
Zu Weihnacht begehen sie die Kindheit Christi
also: sie setzen eine Wiege auf den Altar, in die ein geschnitzt Kind gelegt
ist, dieses wiegt eine große Menge der Stadtkinder springen und tanzen
ums Kind in einem Kreis, wobei die Alten zusehen. und singen viele seltsame
Liedlein von einem neugeborn Kindlein. Sie halten diese Nacht so für
heilig, daß etliche beredt sind, alle Brunnen werden diesen Augenblick,
wo Christus geboren sei, auf diese Nacht zu Wein in einem Hui wieder zu
Wasser. Etliche sagen, es schlagen alle Bäume dieser Nacht aus. Zur
Zeit des neuen Jahres schicken sie einander Gaben, alt und jung, und mit
gebotener Hand wünschen sie ein- andrer ein gutes, seliges neues Jahr.
Auch gehen in diesen Festzeiten die Knechte und leid- Gen Gesellen auf
dem Lande herum durch die ganze Nacht vor den Häusern, auch an etlichen
Orten in den Städten, und singen die Leute an mit großer Heuchelei,
loben den Hausvater und sein Gesinde von Fuß auf und sammeln mit
ihrem Heucheln viel Gclds. Etliche ziehen herum durch das Land mit einem
Glocken, läuten und singen darein, an einem Gotteshaus sammelnd.
An der Heiligen Drei Könige Tag bäckt
ein jeder Vater einen guten Lebkuchen, danach er vermag und ein Hausgesinde
hat, groß und klein, und knetet einen Pfennig hinein. Danach schneidet
er den Lebkuchen in viele Stücke und gibt jedem aus seinem Hausgesinde
eins. Christus, Maria und die Heiligen Drei Könige haben auch ihre
Stücke da. Wem nun das Stück wird, darin der Pfennig ist, der
wird von allen als ein König erkannt und dreimal mit Jubel in die
Höhe gehoben. Er nimmt allemal eine Kreide in die Hand und macht ein
Kreuz an die Dielen und Balken im Haus und in den Stuben, welche Kreuze
gegen viel Unglück und Gespenster helfen sollen. Es ist kein Haus,
in dem man nicht in den zwölf Nächten zwischen Weihnacht und
dem heiligen Dreikönigstag Weihrauch macht gegen alle Teufelsgespenster
und Zauberei.
Gottfried
Keller Der Berliner Weihnachtsmarkt
Welch lustiger Wald um das graue Schloß
Hat sich zusammengefunden,
Ein grünes bewegliches Nadelgehölz,
Von keiner Wurzel gebunden!
Anstatt der warmen Sonne scheint
Das Rauschgold durch die Wipfel;
Hier backt man Kuchen, dort brät man
Wurst,
Das Räuchlein zieht um die Gipfel.
Es ist ein fröhliches Leben im Wald,
Das Volk erfüllt die Räume;
Die nie mit Tränen ein Reis gepflanzt,
die fällen am frohsten die Bäume.
Der eine kauft ein bescheiden Gewächse
Zu überreichen Geschenken,
Der andre einen gewaltigen Strauch,
Drei Nüsse daran zu henken.
Dort feilscht um ein verkrüppeltes Reis
Ein Weib mit scharfen Waffen:
Der dünne Silberling soll zu gleich
Den Baum und die Früchte verschaffen!
Mit glühender Nase schleppt der Lakei
Die schwere Tanne von hinnen,
Das Zöfchen trägt ein Leiterchen
nach,
Zu ersteigen die grünen Zinnen.
Und kommt die Nacht, so singt der Wald
Und wiegt sich im Gaslichtscheine;
Bang führt die arme Mutter ihr Kind
Vorüber dem Zauberhaine.
Einst sah ich einen Weihnachtsbaum:
Im düstern Bergesbanne
Stand eisbezuckert auf dem Granit
Die alte Wettertanne.
Und zwischen den Ästen waren schön
Die Sterne aufgegangen,
Am untersten Ast sah ich entsetzt
Die alte Schmidtin hangen.
Hell schien der Mond ihr ins Gesicht,
Das festlich still verkläret;
Weil sie auf der Welt sonst nichts besaß,
Hatte sie sich selbst bescheret. |
Weihnachtslied:
Jingle bells
Jingle bells, Jingle bells
heller Glockenklang,
Unser Schlitten saust dahin,
auf dem Felsenhang,
Jingle bells, jingle bells,
komm und steig mit ein,
Unser Schlitten fährt uns hin,
in Wind und Welt hinein.
Eine Decke überm Knie,
ja verliebt so wie noch nie,
Uns're beiden Hände binden
sich, ich sag ich liebe dich.
Komm jetzt steigen alle ab,
denn jetzt geht es nicht bergab,
Unser Pferdchen wird uns dankbar sein,
und wir laufen hintendrein.
Winterwelt, Wunderwelt,
herrliche Natur,
Dir mein liebes Christkind sind
wir heute auf der Spur
Winterzeit, Seligkeit
macht das Herz uns weit
Denn die ganze Welt hat heut
an das schönste Kleid.
Unser Glöcken bimmelt froh,
unser Herz schlägt ebenso
Fröhlich, heiter uns sorgenlos,
ja gleiten wir drauf los.
Unser Pferdchen schaut zurück,
so was spürt es unser Glück
Diese Schlittenfahrt ist wunderschön,
sie soll nie zu Ende gehen.
Jingle bells, jingle bells,
ich wär gern fürwahr
Heute dir so nah wie
der Wind in Deinem Haar.
Jingle bells, jingle bells,
heller Glockenton
Heute fahren wir bestimmt
der ganzen Welt davon.
Wir zieh'n uns're weisse Spur,
über Wald und über Flur,
Und die Peitsche lassen wir zu Haus,
fahr'n in die Welt hinaus.
Und jetzt geht's über den Bach,
ist das Eis auch nicht zu schwach
Doch das andre Ufer ist erreicht,
heute fühl'n wir uns so leicht. |
Buchtipps:
Der
Bremer Weihnachtsmarkt. Glühwein, Bratwurst und Straßenmusik
Edition Temmen 2006
Der
Erfurter Weihnachtsmarkt Reinhold 2007
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