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Eichrodt, Ludwig ( 1827-1892 )

Ausflug in den Schwarzwald

Im Höllenthale drohen
Die Felsen hoch herein,
Die schauerlichen schüchtern
Den frühen Wandrer ein.

Dann öffnen sich die Berge
Der hohen Ebene zu,
Die Tannen und die Matten
Prangen in grüner Ruh.

Am dunkelblauen Himmel
Milchweiße Wolken ziehn,
Lieblich in wilder Gegend
Himmel und Blumen blühn.

Und ehe die Hügel schließen
Das Thal mit sanfter Höh,
Da spiegelt sich die Sonne
Im tiefen Titi-See.

Es baden die müden Freunde
In seiner frischen Fluth,
Und stärken Leib und Seele
Und wandern wieder gut.

Zum allerhöchsten Gipfel
Richten sie spät den Lauf,
Es steigen die steinigen Wege
Zum großen Feldberg auf.

Tief unten an seinem Fuße
Ein finster Wasser steht,
Drein fallen die Felsenwände,
Und Geisterflüstern weht.

Von oben schaut herunter
Der königliche Berg;
Ihm hütet den Spiegel unten
Ein tannengrüner Zwerg.

Durch unerträglich Schimpfen
Scheucht er den Wandrer fort,
Der störend wollte weilen
Am heimlich heiligen Ort.

Ein fürwitzvoller Bursche
War einst, es ist verbürgt,
Dort, wo die Quelle röchelt,
Hat ihn der Zwerg erwürgt.

Hinauf denn über die Klippen!
Ringsum der endlose Wald.
Hinauf, hinan die Haide!
Wir sind da droben bald.

Seht dort die seltsamen Wolken,
Sie bleiben dieselben stets,
Sie scheinen nicht zu folgen
Dem Wind und Wettergesetz.

Das sind die Alpen, Alpen,
O wunderherrliche Schau!
Aus Süden herüberglänzend
Golden und silbergrau.

Und immer höher und höher
Beim brechenden Abendlicht!
Die Hirten sind abgezogen,
Es klinget die Weide nicht,

Hochoben auf dem Kulme,
Welch unverhofftes Glück!
Erhaschen wir der Sonne
Allerletzten Scheideblick!

Auf purpurreichem Pfühle
Der Gott des Tages ruht,
Die Winde tragen ihn schwebend
Hinunter in ferne Fluth.

Mit ihrem holden Ernste
Anziehet die sternvolle Nacht
Und weilet, bis mit dem Vogel
Der Morgenwind erwacht.

Da streifen rosige Lichter
Den Himmelsaum umher,
Es fluthet über die Berge
Der Düfte wogendes Meer.

Ha, schautet ihr das Blitzen
Fern über den fernsten Höhn?
Und jetzt, die Feuerkugel
Siegend im Himmel stehn!

Sie steiget stolz und freudig
Heran ins blaue Feld;
Sie strahlet und sie glänzet,
Vor Wonne zittert die Welt.

Und um und um, die Lande,
Das Auge schweift hinaus,
Entzückenvolle Schönheit!
O süß gewaltger Graus!

Dort unten in den Thälern
Noch immer Schlaf und Nacht,
Hier oben Tag und Leben,
Daß Herz und Himmel lacht!

Hier oben Schnee und Blumen –
Schneeglöckchen läutet: Platz
Den schönen Töchtern des Sommers!
Der Schnee ruft: sachte Schatz!

Ich weiche gern, doch jede
Von deinen Schwestern muß
Die liebliche Stirne reichen
Dem Schnee zuvor zum Kuß!

Das ist die Ehre des Alters.
– Voran jetzt durch den Teich
Dem Bach entlang thalauswärts
Zum grünen "Himmelreich«"

(Aus dem Gedichtband Leben und Liebe. Traum und Bild)


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