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| Ein Kaufmann wollte auf die Messe gehen, da fragte er seine drei
Töchter, was er ihnen mitbringen sollte.
Die älteste sprach: ,,Ein schönes Kleid"; die zweite: ,,Ein paar hübsche Schuhe", die dritte: ,,Eine Rose". Aber die Rose zu verschaffen, war etwas schweres, weil es mitten im Winter war, doch weil die jüngste die schönste war, und sie eine große Freude an den Blumen hatte, sagte der Vater, er wolle zusehen, ob er sie bekommen könne, und sich recht Mühe darum geben. Als der Kaufmann wieder auf der Rückreise war, hatte er ein prächtiges Kleid für die älteste, und ein paar schöne Schuhe für die zweite, aber die Rose für die dritte hatte er nicht bekommen können, wenn er in einen Garten gegangen war, und nach Rosen gefragt, hatten die Leute ihn ausgelacht: ,,Ob er denn glaube, dass die Rosen im Schnee wüchsen.“
Das war ihm aber gar leid, und wie er darüber sann, ob er gar
nichts für sein liebstes Kind mitbringen könne, kam er vor ein
Schloss, und dabei war ein Garten, in dem war es halb Sommer und halb Winter,
und auf der einen Seite blühten die schönsten Blumen gross und
klein, und auf der andern war alles kahl und lag ein tiefer Schnee. Der
Mann stieg vom Pferd herab, und wie er eine ganze Hecke voll Rosen auf
der Sommerseite erblickte, war er froh, ging hinzu und brach eine ab, dann
ritt er wieder fort.
Der Kaufmann brachte nun einer jeden Tochter mit, was sie gewünscht
hatten; sie freuten sich auch alle darüber, am meisten aber die jüngste
über die Rose.
Sie aßen zusammen, und sie musste ihm aufschöpfen, sonst
wollte es nicht essen, da ward sie dem Tier hold, und endlich hatte sie
es recht lieb.
Von dem allen war ihr Herz ganz schwer, und sie bat das Tier, es
sollte sie nur ein paar Tage wieder heim gehen lassen. Das Tier wollte
lange nicht, endlich aber, wie sie so jammerte, hatte es Mitleid mit ihr
und sagte: ,,Geh hin zu deinem Vater, aber versprich mir, dass du in acht
Tagen wieder da sein willst.“
Wie sie heim kam, freute sich ihr Vater, dass er sie noch einmal sähe, aber die Krankheit und das Leid haften schon zu sehr an seinem Herzen gefressen, dass er nicht wieder gesund werden konnte, und nach ein paar Tagen starb er. Da konnte sie an nichts anderes denken vor Traurigkeit, und hernach ward ihr Vater begraben, da ging sie mit zur Leiche, und dann weinten die Schwestern zusammen und trösteten sich, und als sie endlich wieder an ihr liebes Tier dachte, da waren schon längst die acht Tage herum. Da ward ihr etwas Angst, und es war ihr, als sei das auch krank, und sie machte sich gleich auf und ging wieder hin zu seinem Schloss.
Wie sie aber wieder ankam, war's ganz still und traurig darin, die
Musikanten spielten nicht, und alles war mit schwarzem Flor behangen.
Geschwind holte sie Wasser und begoss es damit unaufhörlich, da sprang es auf und war auf einmal verwandelt und ein schöner Prinz. Da ward Hochzeit gehalten und die Musikanten spielten gleich wieder, die Sommerseite im Garten kam prächtig hervor, und der schwarze Flor ward abgerissen, und sie lebten vergnügt miteinander immerdar. |
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