In sieben Geschichten
1.
Die Geschichte von dem Teufelsspiegel und seinen Scherben
Der schlimmste aller Kobolde, nämlich
der Teufel selbst, hatte sich eines Tages einen besonders boshaften Spaß
ausgedacht und konnte sich vor Freude darüber kaum halten. Er hatte
nämlich einen Spiegel gemacht,
der die Eigenschaft besaß, alles Gute
und Schöne, Edle und Vortreffliche, das sich darin spiegelte, in Nichts
zusammenschrumpfen zu lassen, während das, was nichts taugte, das
Schlechte, Böse und Unschöne,
darin besonders hervortrat und sich noch vergrößerte.
Das war aber schon eine arge Teufelei!
Die herrlichsten Landschaften sahen in dem
Teufelsspiegel wie gekochter Spinat aus, und die besten Menschen wurden
widerlich oder standen auf dem Kopf; die Gesichter verzerrten und verdrehten
sich so, dass sie kaum zu erkennen waren, und hatte man nur eine einzige
Sommersprosse,
dann nahm sie sich aus, als bedecke sie Mund,
Stirn und Nase.
Das sei äußerst lustig, sagte der
Teufel.
Es kam aber noch viel ärger ! Hatte ein
Mensch einen hochherzigen,
guten Gedanken, dann zeigte sich im Spiegel
ein Grinsen, dass der Teufel über seine Erfindung lachen musste; seine
Schüler, die er in der Koboldschule unterrichtete, erzählten,
dass ein Wunder geschehen sei. Durch diesen Spiegel, sagten sie, könne
man sehen, wie die Welt und
die Menschen wirklich beschaffen seien.
Die Koboldschüler liefen mit dem Spiegel
sogleich durch alle Länder, und bald gab es keinen Menschen mehr,
der darin nicht verzerrt worden wäre. Das genügte aber den Teufeln
nicht. Sie wollten nun auch zum Himmel auffliegen und sich über die
Engel und den lieben Gott lustig machen.
Je höher sie mit dem Spiegel flogen,
desto mehr grinste er, sie konnten ihn kaum noch festhalten. Sie flogen
höher und höher mit ihrer Last, Gott und den Engeln näher;
da erzitterte der Spiegel so fürchterlich in seinem Grinsen, dass
er ihren Händen entglitt, zur Erde herabfiel und in hundert Millionen
und mehr Stücke zerbrach.
Das machte die Sache aber noch viel schlimmer
als bisher! Denn einige der Stücke waren kaum so groß wie ein
Sandkorn, und diese flogen umher in der weiten Welt, und wenn Leute sie
ins Auge bekamen, blieben sie dort sitzen, und da sahen die Menschen alles
verkehrt oder hatten nur Auge
für das, was bei einer Sache schlecht
war; denn selbst das allerkleinste Stückchen behielt die Zaubermacht
des Teufelspiegels bei.
Am schlimmsten aber stand es mit den Menschen,
die eine Spiegelscherbe ins Herz bekamen; das Herz wurde kalt und starr
wie ein Klumpen Eis. Einige versuchten, sich aus den aufgefundenen Stücken
Brillengläser
zu machen, das taugte schon gar nichts!
Setzten sie die Brillen auf, dann sahen sie
alles ins Trübe und Lächerliche verzogen und hatten am Leben
keine Freude mehr.
Der Teufel lachte darüber, dass ihm der
Bauch wackelte, und lobte seine Koboldschüler.
Aber draußen flogen noch Glassplitter
in der Luft umher, und darüber
gäbe es viele Geschichten zu erzählten.
2.
Die Geschichte von dem Knaben und dem kleinen Mädchen
Drinnen in der großen Stadt, wo so
viele Häuser und Menschen sind, dass nicht jeder einen kleinen Garten
haben kann, und wo sich deshalb die meisten Leute mit Blumentöpfen
begnügen müssen, wohnten zwei arme Kinder. Ein bisschen besser
als viele andere hatten sie es doch, denn sie besaßen ein winziges
Gärtchen, das etwas größer als ein Blumentopf war. Sie
waren nicht Geschwister, aber sie hatten sich ebenso lieb,
wie wenn sie es gewesen wären.
Die Eltern der beiden Kinder wohnten einander
gerade gegenüber in zwei Dachkammern, und dort, wo die Dächer
aneinander stießen und die Wasser Rinne entlang lief, dort war in
jedem Haus ein kleines Fenster.
Man brauchte nur über die Rinne schreiten,
und eins konnte das andere besuchen. Vor jedem Fenster stand ein hölzernes
Kistchen; darin wuchsen Petersilie Schnittlauch und kleine Rübchen,
und auch ein Rosenstock
stand darin, in jedem Kistchen einer, und
die gediehen prächtig.
Eines Tages stellten die Eltern die Kistchen
quer über die Wasser Rinne, sie reichten nun von einem Fenster zum
andern. Bohnenranken hingen herab, und die Rosenstöcke schossen lange
Zweige, die sich um die Fenster rankten und einander entgegenbogen - es
war beinahe wie
eine Ehrenpforte. Die beiden Kinder erhielten
oft die Erlaubnis, durch die Fenster hinauszusteigen; da saßen sie
dann auf ihren kleinen Schemeln unter den Rosen wie in dem schönsten
Park.
Im Winter freilich hatte dieses Vergnügen
ein Ende. Die Fenster waren oft ganz zugefroren, aber dann wärmten
der Knabe und das Mädchen Kupferschillinge auf dem Ofen und drückten
diese gegen die vereisten Scheiben. So hatte jedes sein rundes Guckloch,
durch das es zu dem andern hinüberschauen und ihm zunicken konnte.
Der Knabe hieß Kay und das Mädchen
Gerda.
Im Sommer konnten sie mit einem Sprung über
das Dach zueinander gelangen, im Winter mussten sie erst viele Treppen
hinunter- und viele hinaufklettern, wenn sie Sehnsucht hatten, einander
wiederzusehen;
und draußen stob der Schnee, und die
Flocken wirbelten vor den Fenstern.
"Das sind die weißen Bienen, die schwärmen",
sagte die Großmutter.
"Haben sie auch eine Königin?" fragte
der kleine Knabe; denn er wusste, dass es bei den wirklichen Bienen eine
solche gibt.
"Freilich haben sie eine", sagte die Großmutter,
"gib nur acht, sie fliegt dort, wo die Flocken am dichtesten schwärmen.
Sie ist die größte von allen und bleibt nie still auf der Erde
liegen; sie fliegt wieder zu den schwarzen Wolken hinauf. Manche Nacht
fliegt sie durch die Straßen der Stadt und blickt zu den Fenstern
hinein, und diese frieren so sonderbar zu,
dass es wie Blumen aussieht."
"Ja, das habe ich gesehen!" sagten beide Kinder,
und nun wussten sie, dass es wahr sei.
"Kann die Schneekönigin auch hier hereinkommen?"
fragte das kleine Mädchen. "Ach, lass sie nur kommen! sagte der Knabe,
"dann setze ich sie auf den warmen Ofen, und
dann schmilzt sie."
Am Abend, vor dem Schlafengehen, stieg der
kleine Kay halb ausgekleidet auf den Stuhl am Fenster und guckte durch
das kleine Loch; ein paar Schneeflocken fielen dort draußen, und
eine von diesen, die allergrößte, blieb auf dem Rand des Blumenkistchens
liegen. Die Schneeflocke wuchs und wuchs und wurde zuletzt ein wunderschönes
Fräulein, in den feinsten, weißen Batist gekleidet, mit Tausenden
von sternartigen Flocken übersät. Das war die Schneekönigin!
Sie war so schön und fein, aber von Eis, von blendend blinkendem Eis,
und doch war sie lebendig. Die Augen blitzten wie zwei Sterne, aber es
war weder Ruhe noch Rast in ihnen. Als sie die Hand hob und dem Knaben
zuwinkte, sprang er erschrocken von seinem Stuhl. Da war es ihm, als ob
draußen vor dem Fenster ein großer Vogel vorbeiflöge.
Am nächsten Tag gab es klaren Frost.
Doch dann gab es wieder Tauwetter, und endlich
kam der Frühling.
Die Sonne schien, das Grün wagte sich
hervor, die Schwalben bauten ihre Nester, die Fenster wurden geöffnet,
und die beiden Kinder saßen wieder in ihrem kleinen Garten hoch oben
in der Dachrinne über allen Stockwerken. In diesem Jahr blühten
die Rosen besonders prachtvoll.
Das kleine Mädchen hatte ein Lied gelernt,
in dem war auch von Rosen die Rede, und bei den Rosen dachte sie an ihre
eigenen vor dem Fenster; sie sang es Kay vor, und er sang mit: "Rosen,
sie blühn und verwehn,
wir werden das Christkindlein sehn!"
Und die Kinder hielten einander bei den Händen,
küssten die Rosen und blickten voll Freude in den hellen Sonnenschein.
Wie schön waren die Sommertage, wie herrlich war es, draußen
bei den Rosenstöcken zu sein, die aussahen, als wollten sie nie aufhören
zu blühen.
Als Kay und Gerda einmal in ihrem Bilderbuch
blätterten und die Uhr auf dem großen Kirchturm gerade fünf
schlug, sagte Kay plötzlich:
"Au! Nun hat es mich ins Herz gestochen, und
ins Auge ist mir auch etwas geflogen!" Gerda fiel ihm erschrocken um den
Hals; er blinzelte mit den Augen, konnte aber nichts Besonderes bemerken.
" Ich glaube, es ist wieder weg!" sagte er. Aber es war doch nicht weg.
Es war eines der Glaskörner von dem Teufelsspiegel gewesen, und der
arme Kay hatte es nun im Herzen sitzen. Es tat wohl nicht mehr weh, aber
es war einmal da, und sein Herz würde bald hat und ungerührt
wie ein Eisklumpen werden. Auch dieses winzige Glaskörnchen hatte
noch die Eigenschaft des bösen Spiegels mitbekommen, alles Große
und Gute klein und hässlich zu machen. Und es begann auch gleich zu
wirken.
"Warum weinst du denn?" fragte Kay seine kleine
Freundin,
"wie hässlich du jetzt bist, wenn du
weinst! Und die Rose dort, sicher nagt gerade ein Wurm an ihr, und die
andere daneben steht ganz schief! Sie sind genauso hässlich wie das
Kistchen, in dem sie stehen!" Und er stieß mit dem Fuß an das
Kistchen und riss die beiden Rosen ab.
"Kay, was machst du da?" fragte das kleine
Mädchen erschrocken.
Da freute es ihn aber noch mehr, sie zu erschrecken;
er riss noch eine Rose ab und sprang in sein Fenster hinein. So sehr hatte
ihn das Teufelssplitterchen verändert!
Als Gerda mit dem Bilderbuch kam, sagte er,
das sei für Wickelkinder; wenn die Großmutter Geschichten erzählte,
hatte er immer etwas dran auszusetzen, ja er ging auch hinter ihr her,
setzte sich eine Brille auf und amte sie so treffend nach, dass alle Leute
lachten. Bald konnte er den Gang und die Sprache der Menschen in der ganzen
Straße nachmachen. Alles, was an ihnen absonderlich und unschön
war, wusste Kay dazustellen, und die Leute sagten: "Der Junge hat einen
ausgezeichneten Kopf!"
Sie wussten ja nicht, dass er einen Splitter
von dem Teufelsspiegel ins Auge bekommen hatte, dass ihm ein Splitter im
Herzen saß. Auch die kleine Gerda wusste es nicht, und doch blieb
sie ihm gut, so sehr er
sie auch neckte.
An einem Wintertag, als es wieder schneite,
kam Kay mit einer Lupe und betrachtete die Schneeflocken, die auf seinem
Mantel saßen.
"Sieh durch das Glas", sagte er zu Gerda,
und jede Schneeflocke wurde viel größer und sah aus wie eine
prächtige Blume oder ein zehneckiger Stern; es war schön anzusehen.
"Wie kunstvoll sie sind, ganz regelmäßig,
viel feiner als wirkliche Blumen. Kein einziger Fehler ist an ihnen. Wenn
sie nur nicht schmelzen wollten!" So vernünftig konnte der kleine
Kay manchmal sein. Dann aber kam er wieder mit dicken Handschuhen, seinem
Schlitten auf dem Rücken, und rief Gerda gerade in die Ohren hinein:
"Ich darf heute mit den andern auf dem großen Platz rodeln!" Und
weg war er. Drüben auf dem großen Platz banden die kecksten
Knaben oft ihren Schlitten an dem Wagen eines Bauern fest und so wurden
sie noch ein gutes Stück auf der Landstraße mitgeschleift; das
war ein Spaß!
Als sie gerade im besten Spielen waren, kam
ein großer Schlitten angefahren, der war ganz weiß gestrichen,
und darin saß jemand, in einen rauen, weißen Pelz gehüllt
und mit einer weißen Mütze auf dem Kopf;
der Schlitten fuhr zweimal um den Platz herum
und Kay band geschwind seinen kleinen Schlitten daran fest und nun fuhr
er mit. Es ging schneller und schneller, geradewegs in die nächste
Straße hinein.
Die Gestalt in dem rauen, weißen Pelz
mit der hohen, weißen Mütze drehte sich um und nickte Kay freundlich
zu; es war, als ob sie einander schon kannten. Jedes mal, wenn Kay seinen
kleinen Schlitten losbinden wollte, nickte die Person wieder, und Kay blieb
sitzen. So fuhren sie zum Stadttor hinaus. Der Schnee begann so dicht hernieder
zu fallen, dass der Kleine seine Hand kaum sehen konnte, während er
dahinsauste. Endlich ließ er die Schnur los, um von dem großen
Schlitten freizukommen, aber es half nichts! Sein kleines Gefährt
hing fest, und es ging mit Windeseile weiter. Da rief er ganz laut, aber
niemand hörte ihn. Der Schnee wirbelte, und der große Schlitten
flog dahin, mitunter gab es einen Sprung über verschneite Büsche
und Gräben. Kay war sehr erschrocken und wollte sein Vaterunser beten,
aber er konnte sich nicht mehr darauf besinnen, und nur das
große Einmaleins fiel ihm ein.
Die Schneeflocken wurden größer
und größer, zuletzt sahen sie aus wie große, weiße
Hühner. Auf einmal sprangen die Flocken zur Seite, und der große
Schlitten hielt. Die Gestalt darin erhob sich, Pelz und Mütze waren
über und über mit Schnee bedeckt. Da sah Kay, dass es eine Dame
war, hoch und schlank, glänzend weiß - es war die Schneekönigin!
"Wir sind gut gefahren!" sagte sie, "aber
ich glaube, du frierst, kriech hinein in meinen Pelz!" Und sie setzte ihn
neben sich in den Schlitten und schlug den Pelz um ihn; ihm war, als versänke
er in einem Schneetreiben. "Frierst du noch?" sagte sie," und küsste
ihn auf die Stirn. Dieser Kuss war aber kälter als Eis, er drang ihm
bis ins Herz, das ja doch schon fast ein Eisklumpen war; es war, als sollte
er sterben, aber nur einen Augenblick, dann fühlte er sich wieder
recht wohl und spürte nichts mehr von der Kälte. "Mein Schlitten,
wo ist denn mein Schlitten?" rief Kay.
Die Schneekönigin band seinen kleinen
Schlitten einem der weißen Schneehühner auf den Rücken,
und das flog nun hinter ihnen drein. Die Schneekönigin küsste
Kay noch einmal; sogleich hatte er seine kleine Freundin und die Großmutter
daheim vergessen.
"Nun bekommst du keine Küsse mehr!" sagte
sie, "sonst küsse ich
dich noch tot!"
Kay sah sie an; sie war so schön, schöner
als alles, was er bisher gesehen hatte. Sie war jetzt nicht aus Eis wie
damals, als sie draußen vor dem Fenster saß und ihm zuwinkte,
und er fürchtete sich auch nicht mehr vor ihr wie damals. Er erzählte
ihr von der Schule und was er schon alles gelernt habe, dass er kopfrechnen
könne, und zwar mit Brüchen; und was er alles über die Geschichte
seines Landes wisse; und die Schneekönigin lächelte zu allem.
Da erschien ihm sein ganzes Wissen auf einmal gar nicht mehr so groß,
und er schaute hinauf in den unendlichen Himmelsraum, und sie flog mit
ihm, flog hoch hinauf in die schwarze Wolke, und der Sturm sauste und brauste,
als sänge er alte Lieder. Sie flogen über Wälder und Seen,
über Länder und Meere; unter ihnen sauste der kalte Wind, die
Wölfe heulten, der Schnee glitzerte; über ihnen flatterten die
schwarzen, schreienden Krähen. Aber hoch oben schien der Mond so groß
und klar; auf ihn schaute Kay in der langen, langen Winternacht.
Am Tag aber schlief er zu Füßen
der Schneekönigin.
3.
Die Geschichte von dem Blumengarten der Zauberin
Aber wie erging es Gerda, als Kay nicht
mehr kam? Sie war so betrübt und fragte alle, die ihn zuletzt gesehen
hatten, aber niemand konnte Auskunft geben. Die andern Jungen erzählten
nur, dass sie gesehen hätten, wie Kay seinen kleinen Schlitten an
einen großen, weißgestrichenen Schlitten angebunden habe und
mit diesem zum Stadttor hinausgefahren sei. Niemand wusste, wo er war,
und alle, die ihn gekannt hatten, trauerten um ihn; Gerda weinte bittere
Tränen. Vielleicht war er tot, im Fluss ertrunken, der an der Stadt
vorbei floss. Das waren lange, bange Wintertage für Gerda! Nun kam
der Frühling mit seinen wärmenden Sonnenstrahlen. " Kay ist tot
und fort!" klagte Gerda. "Das glauben wir nicht!" sagten die Sonnenstrahlen.
" Er ist tot und fort!" erzählte sie den Schwalben.
"Das glauben wir nicht!" sagten auch diese,
und zum Schluss glaubte
es Gerda selbst nicht mehr.
Eines Tages zog sie ihre neuen roten Schuhe
an, die Kay noch nicht kannte; sie wollte hinaus vors Stadttor gehen und
den Fluss nach Kay befragen. Es war noch früh am Morgen; sie küsste
die alte Großmutter, die schlief, und ging mit ihren neuen roten
Schuhen an den Füßen ganz allein durchs Stadttor hinaus nach
dem Fluss.
"Hast du mir meinen kleinen Freund genommen?"
fragte sie den Fluss, "ich will dir meine neuen roten Schuhe schenken,
wenn du ihn mir wiedergibst!" Es war ihr, als nickten die Wellen ganz sonderbar,
da nahm sie ihre roten Schuhe, die sie doch am liebsten hatte, und warf
sie in den Fluss. Aber die Schuhe fielen dicht am Ufer nieder, und die
kleinen Wellen trugen sie wieder ans Land. Es war gerade so, als wollte
der Fluss ihr nicht das Liebste nehmen, was sie hatte, weil er ja den kleinen
Kay nicht verbarg. Aber Gerda glaubte, sie hätte die Schuhe zu wenig
weit hinausgeworfen, und so kletterte sie in ein Boot, das im Schilf lag,
und schleuderte die Schuhe noch einmal ins Wasser. Aber das Boot war nicht
festgebunden, und so glitt es bei der Bewegung vom Land ab. Gerda konnte
nicht mehr zurück, sie trieb mit dem Boot ein ganzes Stück vom
Land entfernt immer schneller dahin. Da fühlte sich das kleine Mädchen
sehr verlassen und begann zu weinen. Aber niemand hörte sie außer
den Spatzen, und die konnten sie nicht ans Ufer tragen. So flogen sie neben
dem Boot her und sangen, als wollten sie sie trösten: "Hier sind wir,
hier sind wir!" Das Boot trieb mit dem Strom; die kleine Gerda saß
ganz still, nur mit Strümpfen an den Füßen; die neuen roten
Schuhe schwammen hinterher, sie konnten das Boot nicht mehr erreichen,
weil es schnelle Fahrt hatte. Die beiden Ufer lagen in aller Lieblichkeit
da, Blumen blühten an den Abhängen, alte Bäume breiteten
ihren Schatten aus, und Kühe und Schafe weideten auf den fetten Wiesen;
nirgends aber war ein Mensch zu erblicken. "Vielleicht trägt mich
der Fluss zu Kay", dachte Gerda und hörte zu weinen auf, und viele
Stunden lang sah sie die vorbeiziehenden schönen, grünen Ufer
an. Endlich kam sie zu einem großen Kirschgarten, in dem ein kleines
Haus mit sonderbaren roten und blauen Fenstern stand; es war mit Stroh
gedeckt, und draußen standen zwei hölzerne Soldaten, die vor
der Vorbeisegelnden das Gewehr präsentierten. Gerda rief sie an, aber
sie antworteten natürlich nicht. Sie kam ihnen ganz nahe, denn das
Boot trieb gerade auf das Ufer zu. Da rief Gerda noch lauter, und nun kam
eine uralte Frau, die sich auf einen Krückstock stützte, aus
dem Haus heraus; sie hatte einen großen Sonnenhut auf, der mit den
schönsten Blumen bemalt war.
"Du armes Kind!" sagte die alte Frau, "wer
hat dich auf den großen, reißenden Strom gesetzt und in die
Welt hinausgetrieben?" Und sie ging in das seichte Wasser hinein, hakte
ihren Krückstock im Boot fest, zog es an Land und hob Gerda heraus.
Das kleine Mädchen war so froh, wieder auf festen Boden zu kommen,
aber es fürchtete sich doch ein wenig vor der alten, fremden Frau.
"Komm doch und erzähl mir, wer du bist und wie du hierher kommst!"
sagte sie. Und als Gerda alles erzählt hatte, schüttelte die
Alte den Kopf und sagte: " Hm! Hm!" Schließlich meinte sie, der kleine
Kay wäre bis jetzt nicht vorbeigekommen, aber das könne ja jeden
Tag noch sein, Gerda solle nicht betrübt sein und erst einmal von
den Kirschen essen und die Blumen bewundern, schönere Blumen gäbe
es nicht im teuersten Bilderbuch! Und jede könnte eine Geschichte
erzählen. Dann nahm sie Gerda bei der Hand, sie gingen in das kleine
Haus hinein, und die alte Frau schloss die Tür zu. Die Fenster waren
ganz hoch oben, und das Tageslicht fiel durch die roten, gelben und blauen
Scheiben gar sonderbar herein. Auf dem Tisch standen die schönsten
Kirschen, und Gerda durfte so viele davon essen, wie sie nur wollte. Während
sie aß, kämmte die alte Frau ihr das Haar mit einem goldenen
Kamm; da lockte sich das Haar und glänzte wunderschön gelb rings
um das freundliche Gesichtchen, das rund war und aussah wie eine Rose.
"Nach einem so lieben, kleinen Mädchen
habe ich mich schon lange gesehnt", sagte die Alte, "du wirst sehen, wie
gut wir beide miteinander auskommen!" Während aber der goldene Kamm
Gerda durch die Haare fuhr, vergaß das Mädchen mehr und mehr
den verlorenen Spielgefährten. Die alte Frau konnte nämlich zaubern,
aber sie war keine böse Zauberin. Sie zauberte nur so zu ihrem eigenen
Vergnügen und lauter nette, ungefährliche Dinge; nun wollte sie
doch die kleine Gerda bei sich behalten, und darum ging sie hinaus in den
Garten und versenkte mit ihrem Zauberkrückstock alle die schönen
Rosenstöcke in die schwarze Erde hinein. Gerda sollte nicht an ihre
eigenen Rosen daheim erinnert werden, denn dann würde sie gleich wieder
an den kleinen Kay denken und davonlaufen. Nun führte die alte Zauberin
Gerda in den Blumengarten. Dieser Duft und diese Herrlichkeit! Jede Jahreszeit
hatte hier ihre Blumen bestellt; kein Bilderbuch konnte bunter und schöner
sein. Gerda sprang vor Freude und spielte unter den Kirschbäumen,
bis die Sonne unterging. Dann bekam sie ein Bett mit roten Seidenkissen,
die mit blauen Veilchen gefüllt waren, und sie schlief und träumte
darin so herrlich wie eine Königin an ihrem Hochzeitsmorgen.
Die Tage flossen dahin; immer durfte Gerda
im warmen Sonnenschein mit den Blumen spielen, aber so viele auch da waren,
eine Blume ging ihr doch ab, sie wusste nur nicht, welche. Da betrachtete
sie eines Tages den großen Sonnenhut der alten Frau mit den gemalten
Blumen, und gerade die schönste darunter war eine Rose. Die Alte hatte
nämlich vergessen, diese vom Hut zu nehmen, als sie die Rosenstöcke
in die Erde versenkte. -
Das kann geschehen, wenn man vergesslich ist!
"Wie, hast du denn gar keine Rosen in deinem
Garten?" fragte Gerda und suchte alle Beete ab, aber sie konnte keine Rose
finden. Da setzte sie sich nieder und weinte; aber ihre Tränen fielen
gerade dorthin, wo ein Rosenstrauch versunken war, und als die heißen
Tränen die Erde benetzten, schoss der Stock wieder empor, so blühend,
wie er verschwunden war. Gerda umarmte ihn und küsste die Rosen, und
sogleich musste sie an ihre Rosen daheim und an den kleinen Kay denken.
"Kay -, ich wollte doch den kleinen Kay suchen!
Oh, wie bin ich aufgehalten worden!" rief sie. "Wisst ihr nicht, wo er
ist?" fragte sie die Rosen, "glaubt ihr, dass er tot ist?" "Tot ist er
nicht", antworteten die Rosen, "wir sind ja in der Erde gewesen, wo alle
Toten sind,
aber dein Kay ist nicht dort."
Gerda bedankte sich und ging zu den andern
Blumen hin, sah in ihre Kelche hinein und fragte wieder nach Kay. Aber
die Blumen standen alle
in der Sonne und träumten ihre eigenen
Märchen und Geschichten
sie erzählten Gerda so viele, aber
keine wusste etwas von Kay.
Und was sagte denn die Feuerlilie? Sie träumte
von Indien. "Hörst du den dumpfen Ruf der Trommel: bum! bum! Es sind
nur zwei Töne,
immer bum! bum! Hörst du der Frauen Trauergesang?
In ihrem langen, roten Mantel steht eine Hindufrau
auf dem Scheiterhaufen neben ihrem toten Mann. Wie die Flammen lodern!
Die Frau steht ganz ruhig und erwartet den
Tod. Was soll sie noch unter den Lebenden, da ihr Mann nicht mehr lebt?
Sie denkt doch nur an ihn. Seine Augen brannten heißer als das Feuer,
das ihren Leib bald zu Asche verbrennen wird.
Dann ist sie wieder mit ihm vereint - so sagt
ihr Glaube - in einem
ewig währenden Weiterleben."
"Das verstehe ich gar nicht!" sagte die kleine
Gerda.
"Das ist ein Märchen!" sagte die Feuerlilie.
So ging Gerda zum Windling weiter. Was sagte der? Er wiegte die bläulichen
Blütenköpfchen und wusste von einer alten Ritterburg zu erzählen.
Dichtes Immergrün wächst dort an
den alten, roten Mauern empor;
im Erker steht ein schönes Mädchen;
sie beugt sich über das Geländer hinaus und blickt den Weg entlang.
Keine Rose ist frischer, keine Apfelblüte lieblicher als sie; und
sehnsüchtig denkt sie:
Kommt er noch nicht?
"Wartet sie vielleicht auf Kay, diese schöne
Dame in der Ritterburg?" fragte Gerda. "Das war nur mein Traum, mein Märchen!"
antwortete der Windling. Was sagte das kleine Schneeglöckchen? Es
hatte nie etwas
von Kay gehört. Es kannte nur zwei kleine Mädchen,
die im Garten zwischen den Bäumen auf ihrer Schaukel saßen,
hoch und nieder ging es, ihre Kleidchen waren weiß wie Schnee, und
an den Hüten flatterten die grünen Bänder. Der Bruder steht
hinter ihnen in der Schaukel, er hat den Arm um das Seil geschlungen, um
sich festzuhalten. In der einen Hand hält er eine kleine Schale, in
der andern eine Tonpfeife; er bläst schillernde Seifenblasen. Die
Schaukel fliegt, und die Blasen steigen in wechselnden Farben und wiegen
sich im Wind. Ein schaukelndes Brett, ein zerspringendes Schaumbild ist
der Traum des kleinen Schneeglöckchens.
Wieder war nichts von Kay zu erfahren. Gerda
ging traurig weiter. Wussten die Hyazinthen etwas von ihm? Die Hyazinthen
dachten eine Weile nach, und dann begannen auch sie zu erzählen, wieder
eine ganz andere Geschichte.
"Es waren drei schöne Schwestern, so
fein und zart von Gestalt, dass sie fast durchsichtig erschienen. Das Kleid
er einen war rot, das zweiten blau, das der dritten weiß; Hand in
Hand tanzten sie an dem stillen See im Mondschein. Waren es Elfen oder
Menschenkinder? Es duftete so süß; sie tanzten in den Wald hinein,
nun lag der See wieder allein. Drei Särge glitten da aus des Waldes
Dickicht über den See dahin, die Glühwürmchen flogen leuchtend
ringsherum wie kleine, schwebende Lichter. Schlafen die tanzenden Mädchen,
oder sind sie tot? Es duftet so süß;
und die Abendglocken läuten aus weiter
Ferne."
"Du macht mich ganz traurig", sagte die kleine
Gerda. "Du duftest so stark. Ach, ist denn wirklich der kleine Kay tot?
Die Rosen sind unten
in der Erde gewesen, und sie sagen nein!"
"Kling - klang!" läuteten die Hyazinthenglocken,
"das wissen wir nicht. Wir singen nur unser Lied, das einzige, das wir
kennen!"
Und Gerda ging hin zur gelbglänzenden
Butterblume, die mit ihrem grünen Schürzchen dastand und leuchtete
wie eine kleine Sonne; sie nickte und erzählte ihr Geschichtchen,
aber das war auch nicht von Kay.
"In einem kleinen Hof schien die liebe Sonne
so warm am ersten Frühlingstag; die Strahlen glitten herab an der
weißen Wand;
dicht daneben wuchsen die ersten gelben Blumen,
sie leuchteten wie Gold unter den warmen Sonnenstrahlen; die alte Großmutter
saß draußen in ihrem Stuhl; die Enkelin, das arme, schöne
Dienstmädchen, kam heim zu einem kurzen Besuch; sie küsste die
Großmutter. Es war Gold, Herzensgold in diesem Kuss. Gold auf dem
Munde, Gold im Grunde, Gold dort oben in der Morgenstunde!
Sieh, das ist meine kleine Geschichte!" sagte
die Butterblume.
Da musste Gerda an ihre Großmutter daheim
denken.
"Meine arme, alte Großmutter", sagte
sie, "sie sorgt sich gewiss um mich wie damals um Kay. Aber ich komme bald
wieder heim, und dann bringe ich Kay mit. Doch was nützt es, wenn
ich die Blumen frage, sie erzählen
ja doch nur ihre eigenen Geschichten!"
Und dann nahm sie ihr Kleidchen hoch, um schneller
laufen zu können;
da schlug etwas an ihr Bein, und sie blieb
stehen. Eine gelbe Pfingstlilie,
auf hohem Stiel, stand vor ihr und wiegte
sich in Selbstgefallen.
"Weißt du vielleicht etwas?" fragte
Gerda, und sie beugte sich ganz zu der Pfingstlilie nieder. Und was sagte
die? "Wie schön bin ich, wie schön bin ich! Und wie ich dufte!
Ich bin wie die kleine Tänzerin oben in dem Dachstübchen; sie
denkt nur an sich selbst und stößt mit den Füßen
nach der ganzen Welt. Sie kann den ganzen Tag auf einem Bein stehen und
sich im Spiegel bewundern, und nichts bereitet ihr mehr Sorgen als ihre
weißen Tanzröckchen; diese wäscht sie selbst und trocknet
sie auf dem Dach, und wenn sie
tanzt, legt sie ein safrangelbes Tuch um
die Schultern, denn dann leuchtet das Kleid weißer. Sieh, wie sie
sich streckt auf dem einen Bein! Ganz wie ich, ganz wie ich!" Die gelbe
Lilie schwankte auf ihrem Stängel auf und ab und dachte, sie wäre
auch eine Tänzerin, eine Tänzerin
unter den Blumen.
"Das gefällt mir gar nicht!" sagte Gerda,
und dann lief sie an das äußerste Ende des Gartens, ohne sich
noch einmal umzudrehen. Die Tür war verschlossen, aber Gerda rüttelte
an dem verrosteten Riegel, dass er losbrach; die Tür sprang nun auf,
und Gerda lief mit nackten Füßen in die weite Welt hinaus. Sie
sah dreimal zurück, aber da war niemand, der ihr nacheilte. Wie anders
aber sah es hier draußen aus! Mit dem Garten der alten, freundlichen
Zauberin hatte Gerda auch den Sommer verlassen, denn hier war es schon
Spätherbst; wie lange war sie fort gewesen!
"Ach, wie habe ich mich verspätet!" dachte
die kleine Gerda.
"Es ist ja Herbst geworden! Nun darf ich nicht
ruhen!"
So lief sie, bis die kleinen Füße
wund und müde waren. Sie musste sich auf einen großen Stein
setzen und rasten. Wie rau und kalt sah es ringsum aus! Die langen Weidenblätter
waren gelb geworden, ein Blatt nach dem andern fiel ab. Nur der Schlehdorn
trug noch Früchte, die schmeckten aber herb, so herb wie der Herbst.
Grau und schwer war es in der Welt geworden, und Gerda fand sich auf ihrem
Weg immer mühsamer zurecht.
4.
Die Geschichte vom Prinzen und der Prinzessin
Bald fing es auch noch zu schneien an.
Gerda musste wieder rasten.
Da hüpfte auf dem Schnee, ihr gerade
gegenüber, eine große Krähe.
Diese schaute das kleine Mädchen lange
an, und dabei wackelte sie mit dem Kopf. "Krah ! Krah ! - Gu'n Tag, gu'n
Tag!" grüßte sie, besser konnte sie es nicht sagen. "Wohin des
Wegs? Wohin des Wegs?"
Wie lange schon hatte niemand Gerda so freundlich
gefragt!
Und so erzählte sie der Krähe ihre
ganze Geschichte und fragte sie,
ob sie Kay nicht gesehen habe. Da nickte die
Krähe ganz nachdenklich
und krächzte: "Kann sein, kann sein!"
"Ja, wirklich?" rief das kleine Mädchen und hätte die Krähe
fast tot gedrückt vor Freude.
"Nur ruhig, nur ruhig!" mahnte die Krähe.
"Ich weiß es nicht genau, aber vielleicht ist es der kleine Kay,
den ich kenne.
Doch nun hat er dich gewiss über der
Prinzessin vergessen!"
"Was ist das für eine Prinzessin?" fragte
Gerda ganz traurig." Ja, wenn du die Krähensprache verstündest",
seufzte der Vogel, "dann wäre die Sache ganz einfach. Aber es fällt
mir so schwer, deine Sprache zu sprechen.
Doch ich werde erzählen, so gut ich eben
kann." Und dann erzählte sie, was sie wusste. "In dem Königreich,
in dem wir jetzt sitzen, wohnt eine Prinzessin, die ist über alle
Maßen klug; aber sie hat auch alle Zeitungen gelesen, die es in der
Welt gibt, und sie wieder vergessen, so klug ist sie! Neulich, als sie
auf dem Thron saß, hörte ich wie sie ein Lied summte,
und das kannte ich gleich. "Warum sollte ich
mich nicht verheiraten?" sang sie. "Ja, natürlich", sagte ich, und
da wollte sie sich wirklich verheiraten. Aber sie wünschte sich einen
Mann, der zu antworten verstand, wenn man zu ihm sprach; denn einer, der
nur vornehm sei
und stumm dastehe, sei doch zu langweilig!
Die Hofdamen wurden zusammengerufen, und als sie hörten, dass ihre
Prinzessin sich verheiraten wolle, freute sie das sehr.
"Daran haben wir auch schon gedacht!" sagten
sie.
Du kannst mir jedes Wort glauben", unterbrach
sich die Krähe,"
denn ich habe eine zahme Braut im Schloss,
und von der erfahre ich alles. Eine Krähe sucht doch immer wieder
die andere. - Nun höre weiter.
Die Prinzessin ließ eine Anzeige in
den Zeitungen erscheinen, mit einem Rand von Herzen und ihrem eigenen Namenszug;
darin stand, dass es jedem jungen Mann freistehe, sie auf dem Schloss zu
besuchen und sich mit ihr zu unterhalten; und den, der am besten redete,
den wollte die Prinzessin zum Mann nehmen. Du kannst mir glauben", erzählte
die Krähe weiter," in Mengen strömten junge Männer herbei,
es war ein Gedränge und ein Laufen - aber der Richtige war nicht darunter,
nicht am ersten
und nicht nicht am zweiten Tag. Solange sie
draußen auf der Straße waren, konnten sie alle gut reden, sobald
sie aber durch das Schlosstor eintraten, die Gardewachen in Silber sahen
und auf den Treppen die Lakaien in
Gold und die großen, erleuchteten Säle,
da wurden sie alle verwirrt.
Standen sie schließlich vor der Prinzessin,
dann wussten sie nichts
zu sagen als das letzte Wort, das sie gesprochen
hatte, und das noch einmal zu hören, interessierte die Prinzessin
nicht. Erst als sie wieder auf der Straße standen, ja, da konnten
sie reden!
In langen Reihen standen sie vor dem Schlosstor,
und dort erhielten sie nicht einmal ein Glas Wasser. Die Klügeren
hatten sich wenigstens ein Butterbrot mitgenommen, aber keiner teilte mit
seinem Nachbarn - so sind die Menschen einmal."
Lass ihn nur hungrig aussehen, dann gefällt
er der Prinzessin bestimmt nicht!" dachte jeder."
"Aber Kay, war denn Kay unter ihnen?" fragte
Gerda ungeduldig.
"Ja, warte nur! Am dritten Tag nun, da kam
so ein kleines Bürschchen ohne Pferd und Wagen fröhlich gerade
auf das Schloss zumarschiert.
Seine Augen glänzten wie deine, er hatte
schönes, langes Haar,
aber armselige Kleider. "Das war Kay!" jubelte
Gerda.
"Oh, dann habe ich ihn gefunden!" und sie
klatschte in die Hände.
"Er trug ein kleines Bündel auf dem Rücken",
fuhr die Krähe fort.
"Das war sein Schlitten!" sagte Gerda, "denn
mit dem Schlitten
ging er fort!" "Das ist ja möglich",
sagte die Krähe, "ich schaute nicht
so genau hin. Aber das weiß ich von
meiner zahmen Braut: Als er durch das Schlosstor kam und die Gardewache
in Silber und die Lakaien in Gold sah, wurde er gar nicht verlegen, er
nickte den Hofleuten zu und meinte,
es müsse doch recht langweilig sein immer
auf der Treppe zu stehen.
Die Säle erglänzten, Geheimräte
und Exzellenzen gingen aus Ehrfurcht
auf bloßen Füßen; seine Schuhe
knarrten vorlaut, aber das störte ihn
gar nicht!" "Ja, das sind Kays Schuhe, die
knarren so laut!" rief Gerda dazwischen. Die Krähe ließ sich
nicht beirren. "So ging er keck gerade auf die Prinzessin zu; diese saß
auf einer Perle, die so groß wie ein Spinnrad war. Alle Hofdamen
mit ihren Jungfern und wiederum deren Jungfern waren zugegen, aber auch
die Kavaliere mit ihren Dienern und wiederum deren Diener standen ringsherum
aufgestellt; und je näher sie der Tür standen, desto stolzer
sahen sie aus. Die letzten Diener im Schloss hielten sich aber auch wieder
Burschen, und diese waren die stolzesten von allen, weil sie dazu den wenigsten
Grund hatten. Vor diese Gesellschaft trat
nun dein kleiner Kay hin und begann mit der
Prinzessin zu reden.
Er soll ebenso gut gesprochen haben, wie ich
es in der Krähensprache kann, hat mir meine zahme Braut gesagt, und
das will viel heißen!
Er war auch gar nicht mit der Absicht gekommen,
um die Prinzessin zu freien, er hatte nur von ihrer Klugheit gehört,
und da wollte er sich einmal selbst davon überzeugen.
Er fand sie sehr klug, und sie wiederum fand
ihn klug!"
"Ja, das war gewiss Kay!" rief Gerda, "er ist
so klug, er kann kopfrechnen mit Brüchen. Kannst du mich nicht auf
dem Schloss einführen liebe Krähe?" "Ja, wenn das so leicht wäre!
Ich muss mir erst Rat bei meiner zahmen Braut holen; denn das muss ich
dir sagen, ein so kleines Mädchen wie du bekommt nie Erlaubnis das
Schloss zu betreten."
"Aber Kay holt mich gleich hinein, sobald
er nur hört, dass ich da bin!" "So, so!" meinte die Krähe und
wackelte mit dem Kopf. "Erwarte mich dort bei dem Gitter, ich will es versuchen!"
und fort war sie. Die Krähe kehrte erst am Abend zurück. "Krah,
krah!" sagte sie "Ich soll dich vielmals von meiner Braut grüßen.
Hier schickt sie dir ein Stückchen Brot, das hat sie aus der Küche
genommen, denn du bist gewiss hungrig.
Ins Schloss hinein darfst du leider nicht,
denn du bist ja barfuss,
die Gardewachen in Silber und die Lakaien
in Gold würden den Eintritt nie gestatten. Aber weine nicht, du sollst
trotzdem hineinkommen. Es gibt dort eine versteckte Treppe, die führt
direkt ins Schlafgemach; meine Braut wird sich bemühen, den Schlüssel
zu bekommen." Gerda und die Krähe gingen indessen im Garten auf und
ab und durch eine lange Allee, wo ein Blatt nach dem andern herabfiel,
und als die Lichter im Schloss gelöscht wurden, führte die Krähe
die kleine Gerda zu einer niedrigen Tür, die angelehnt war. Gerdas
Herz klopfte vor Furcht und Freude. Es war, als ob sie etwas Böses
tun wollte, aber sie suchte doch nur den kleinen Kay!
Kay, mit seinen glänzenden Augen und
den langen, schönen Haaren.
Und er würde sich gewiss freuen, Gerda
wiederzuhaben und zu hören, welchen weiten Weg sie seinetwegen gegangen
war.
Oh, es war eine Furcht und eine Freude!
Nun waren beide an der Treppe angelangt. Hier
brannte eine kleine Lampe auf dem Gesims, und mitten auf dem Fußboden
wartete die zahme Krähenbraut und betrachtete Gerda von allen Seiten.
Gerda verneigte sich vor ihr, wie sie es von der Großmutter gelernt
hatte, und die zahme Krähe nickte zur Begrüßung. "Mein
Verlobter hat mir viel Gutes von Ihnen erzählt", sagte die Krähe,
"ich bin von Ihrem Lebenslauf sehr gerührt. Wollen Sie bitte die Lampe
nehmen, ich gehe voran. Hier begegnet uns niemand." Da sausten Schatten
hinter Gerda einher; Pferde mit fliegenden Mähnen und dünnen
Beinen, Jägerburschen, Damen und Herren zu Pferd. "Das sind nur die
Träume", sagte die Krähe," die unsere hohen Herrschaften besuchen;
um so besser können wir sie im Bett betrachten. "Nun kamen sie in
den ersten Saal; seine Wände waren von rosenrotem Atlas und mit Blumen
bestickt. Die Träume sausten jedoch so schnell an Gerda vorbei, dass
sie die hohen Herrschaften gar nicht zu sehen bekam. Ein Saal war immer
prächtiger als der andere, man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Jetzt waren sie im Schlafgemach. Die Decke glich hier einer Palme mit Blättern
von kostbarem Glas, und mitten im Raum standen auf einem dicken Stängel
von Gold zwei Betten, die wie Lilienkelche geformt waren. In dem weißen
schlief die Prinzessin, und in dem roten sollte Gerda ihren Kay suchen.
Sie beugte sich darüber und sah einen braunen Nacken - das war Kay!
Laut rief sie sogleich seinen Namen und hielt dabei die Lampe hoch. Da
sausten die Träume zu Pferd zur Tür hinaus, der Angerufene drehte
sich um - aber es war nicht Kay!
Der fremde Prinz war hübsch und jung,
aber er glich Kay nur ganz entfernt.
Da setzte sich die Prinzessin in ihrem weißen
Lilienbett auf, blinzelte und fragte, was denn geschehen sei. Gerda weinte
vor Enttäuschung und erzählte ihre Geschichte. "Du armes Kind!"
sagten der Prinz und die Prinzessin. Die Krähen wurden gelobt, obwohl
sie doch eigentlich gegen jede Vorschrift gehandelt hatten; für diesmal
sollten sie noch eine Belohnung erhalten. "Wollt ihr frei sein und fortfliegen
oder Hofkrähen werden mit fester Anstellung und allem, was in der
Küche abfällt?" fragte die Prinzessin. Die beiden Krähen
verneigten sich und baten um feste Anstellung um "fürs Alter etwas
zu haben", wie sie sagten.
Der Prinz konnte für Gerda aber nicht
mehr tun, als aus seinem roten Lilienbett zu steigen und es dem kleinen
Mädchen anzubieten.
Todmüde fiel Gerda hinein und schlief
sanft und tief. Alle Träume kamen wieder geflogen, sie sahen jetzt
aus wie lichte Engel, und sie zeigten ihr den kleinen Kay auf seinem Schlitten,
doch leider nur im Traum. Am folgenden Tag wurde Gerda in Seide und Samt
gekleidet und eingeladen, im Schloss zu bleiben, da würde man sie
nach Herzenslust verwöhnen. Aber sie bat nur um einen kleinen Wagen
mit einem Pferdchen und um ein Paar Stiefelchen, dann wolle sie wieder
in die weite Welt hinausfahren und Kay suchen.
Und Gerda bekam reizende Stiefelchen und einen
Muff, das sah allerliebst aus. Eine Kutsche aus purem Gold hielt vor der
Tür, und des Prinzen und der Prinzessin Wappen glänzte daran
wie ein Stern. Kutscher, Diener und Vorreiter saßen mit Goldkronen
auf dem Kopf da. Der Prinz und die Prinzessin halfen Gerda in den Wagen
und wünschten ihr alles Glück.
Die Waldkrähe, die schon verheiratet
war, begleitete sie noch ein ganzes Stück; sie saß neben ihr,
denn sie konnte es nicht vertragen, rückwärts zu fahren. Die
zahme Krähenfrau blieb zurück und wippte mit den Flügeln,
sie fuhr nicht mit, denn sie litt an Kopfweh,
seit sie eine feste Anstellung hatte und zuviel zu essen bekam. Die Kutsche
war innen mit Brezeln besteckt, Zuckerbrezeln natürlich, und auf dem
Sitz lagen Äpfel
und Kuchen.
"Leb wohl, leb wohl!" riefen der Prinz und
die Prinzessin, und Gerda weinte, und die Krähe weinte. Am traurigsten
aber war es, als dann
auch die Krähe Gerda Lebewohl sagte;
sie flog auf einen Baum hinauf
und schlug mit ihren Flügeln, solange
sie den Wagen in der hellen
Sonne leuchten sah.
5.
Die Geschichte von dem kleinen Räubermädchen
Sie fuhren durch den dunklen Wald, aber das Gold
an der Kutsche leuchtete wie ein Fackel. Das sahen die Räuber und
da kamen sie gleich angerannt. "Das ist Gold, pures Gold!" riefen sie,
griffen den Pferden in die Zügel, schlugen Kutscher, Diener und Vorreiter
tot und zogen das kleine Mädchen aus dem Wagen. Ein hässliches,
altes Räuberweib mit einem struppigen Bart war auch dabei, sie griff
die arme Gerda ab wie ein gemästetes Hühnchen.
"Sie ist fett und rund", sagte sie "man hat
sie mit Nusskernen gefüttert."
Das Weib wackelte mit ihren dichten Augenbrauen,
die ihr über
die Augen herabhingen.
"Sie ist fett wie ein Osterlämmchen!
Sie soll uns schmecken!" Dann zog sie ihr blankes Messer heraus, und es
blitzte, dass es grässlich war.
"Au weh!" schrie die Alte auf einmal, denn
ihre eigene kleine Tochter,
die wild und ungebärdig auf ihrem Rücken
hing, hatte sie fest ins
Ohr gebissen.
"Ich will mit dem Mädchen spielen!" rief
das Räuberkind, "sie soll mir ihren Muff und ihr Kleid geben und mit
mir in meinem Bett schlafen!
Dann biss das wilde Kind wieder, so dass das
Räuberweib in die Höhe sprang und sich rundherum drehte. Und
alle Räuber lachten und sagten:
"Seht, wie sie mit ihrem Balg tanzt!" "Ich
will in die Kutsche hinein!"
rief das kleine Räubermädchen, und
es setzte seinen Willen durch,
denn es war so verzogen. Gerda saß daneben,
und so fuhren sie tiefer
in den Wald hinein, über Stock und über
Stein.
Das Räubermädchen war so groß
wie Gerda, jedoch stärker und breitschultriger und von dunkler Haut.
Ihre Augen hatten über aller Wildheit einen traurigen Schimmer.
"Sie sollen dich nicht schlagen, solange ich
nicht böse auf dich werde!" sagte sie. "Du bist sicher eine Prinzessin?"
"Nein", erwiderte Gerda und erzählte ihre Geschichte, und wie lieb
sie den kleinen Kay habe. Da wurde das Räubermädchen ganz ernsthaft,
trocknete Gerdas Augen und steckte ihr beide Hände in den warmen,
weichen Muff.
Die Kutsche hielt mitten im Hof eines Räuberschlosses,
einem alten, geborstenen Mauerwerk; Raben und Krähen flogen aus und
ein, und große böse Hunde, die wie Menschenfresser aussahen,
sprangen zähnefletschend in die Höhe; aber sie bellten nicht,
denn es war verboten.
In einem großen, verräucherten
Saal brannte mitten auf dem steinernen Fußboden ein helles Feuer.
Der Rauch zog unter der Decke hin und musste sich selbst einen Ausweg suchen.
In einem großen Kessel kochte die Suppe, und Hasen und Kaninchen
brieten am Spieß.
"Du sollst heute nacht mit mir bei meinen Tieren
schlafen!" sagte das Räubermädchen. Nachdem sie zu essen und
zu trinken bekommen hatten, gingen sie in eine Ecke, wo Stroh und Teppiche
lagen, denn ein anderes Bett kannten die Räuber nicht. Darüber
saßen auf Latten und Stäben mehr als hundert Tauben, die schienen
zu schlafen, aber sie wendeten und drehten sich und trippelten hin und
her, als die beiden Mädchen eintraten.
"Die gehören alle mir", sagte das Räuberkind,
fasste eine von ihnen derb an den Flügeln und schüttelte sie.
"Küss sie!" befahl sie Gerda und drückte ihr die Taube an die
Nase, denn ihre Zärtlichkeiten waren wild und von seltsamer Art. "Da
sitzen die Waldtauben!" fuhr sie fort und zeigte auf ein Loch hoch oben
in der Mauer, das mit Latten verschlagen war.
"Ich muss sie eingeschlossen halten, diese
beiden Waldtauben, sonst fliegen sie gleich fort!" Und Gerda war es, als
hörte sie die Tauben seufzen. "hier ist mein lieber alter Bä!"
erklärte das Räubermädchen weiter und zeigte auf ein Rentier,
das einen blanken Kupferring um den Hals hatte und angekettet war. "Der
möchte auch am liebsten fort, wenn er könnte. Jeden Abend kitzle
ich ihn mit meinem scharfen Messer am Hals, davor ist ihm so bang. Bä-bä!"
Und das wilde Mädchen zog ein langes Messer aus einem Spalt in der
Mauer und streichelte damit den Hals des Rentiers; das arme Tier wich zurück,
so weit es konnte, und fürchtete sich.
Die beiden Mädchen legten sich nun auf
das Stroh und deckten sich mit Teppichen zu; das Räubermädchen
aber hatte noch das Messerin
der Hand. "Behältst du das Messer bei
dir?" fragte Gerda ängstlich. "Ach, man weiß nie, was vorfallen
kann!" sagte das Räubermädchen. " Aber erzähl mir nun von
dem kleinen Kay und allen deinen Abenteuern!" Und Gerda erzählte wieder
ihre Geschichte von vorne, und die Waldtauben gurrten in ihrem Bauer, die
anderen Tauben aber schliefen,
und das Räubermädchen begann zu
schnarchen.
Gerda konnte nicht einschlafen, sie fürchtete
sich so sehr. Die Räuber saßen rings um das Feuer und sangen
schreckliche Lieder, und das alte Räuberweib schlug Purzelbäume.
Oh, es war grässlich für das
kleine Mädchen, dies anzusehen und anzuhören.
Da begannen die Waldtauben auf einmal: "Gurre
! Gurre !
Wir haben den kleinen Kay gesehen!
Ein weißes Huhn trug seinen Schlitten
auf dem Rücken. Er selbst saß im Schlitten der Schneekönigin,
dicht über den Bäumen fuhren sie dahin,
als wir jungen Tauben noch in den Nestern
lagen. Und der Atem der Schneekönigin war so kalt, dass alle starben
außer uns beiden. Gurre! Gurre!" "Was sagt ihr da?" rief Gerda, "und
wißt ihr auch, wohin ihn die Schneekönigin gebracht hat?" "Gurre
! Gurre! Frag das Rentier, das weiß Bescheid im Reich der Schneekönigin,
hoch oben im Norden bei den Lappländern." "Ja, herrlich ist es in
meiner Heimat!" sagte das Rentier. "Dort gibt es Eis und Schnee im Überfluss,
und man springt frei umher in den weiten, glänzenden Tälern.
Dort hat die Schneekönigin ihr Sommerzelt, in das sie sich zurückzieht,
wenn es ihr in den andern Ländern zu warm wird. Ihr schönstes
Schloss freilich steht ganz hoch auf dem Nordpol oben." "Ach Kay, Kay!"
seufzte Gerda; aber das Räubermädchen
begann gleich zu brummen:
"Willst du wohl still liegen, sonst bekommst
du mein Messerchen
zu spüren!"
Am Morgen aber erzählte Gerda dem Räubermädchen,
was die Waldtauben gesagt hatten; da sah das Räubermädchen sie
ganz ernst an und nickte. "Wir werden ja sehen! - Weißt du, wo Lappland
ist?"
fragte sie das Rentier.
Wer konnte das besser wissen als das Rentier,
das dort geboren und aufgewachsen und frei auf den Schneefeldern umhergesprungen
war.
Da überlegte das Räubermädchen
nicht mehr lang und beschloss, Gerda mit dem Rentier fortziehen zu lassen.
"Alle Männer sind fort", sagte sie "aber Mutter ist noch hier, und
sie bleibt. Warte, bis es Mittag wird,
dann trinkt sie aus der großen Flasche
und macht darauf ein Schläfchen. Das weitere werden wir schon sehen!"
Nun sprang das Räubermädchen aus
dem Bett, fiel der Mutter um den Hals, zupfte sie am Bart und neckte sie:
" Mein Ziegenbock, mein Ziegenbock, guten Morgen!" Dafür gab es dann
rote und blaue Nasenstüber, und all dies aus Liebe, aus heißer
Räuberliebe!
Zu Mittag trank das Räuberweib aus einer
großen Flasche gluck - gluck - gluck! und schlief darauf ein. Da
ging das Räubermädchen zum Rentier hin, löste seine Schnur
und sagte: "Ich würde dich ja noch gern eine Zeitlang bei mir behalten
und mit meinem scharfen Messerchen kitzeln; aber du sollst dieses kleine
Mädchen nach Lappland zum Schloss der Schneekönigin bringen,
vielleicht findet sie dort ihren Spielgefährten Und du musst deine
Beine rühren! Du hast wohl gehört, was sie erzählte,
denn du horchst!" Das Rentier sprang vor Freude
in die Höhe.
Das Räubermädchen hob Gerda auf
seinen Rücken, band sie fest und
gab ihr sogar noch ein Kissen mit, auf dem
sie sitzen konnte.
Auch die Pelzstiefel bekam Gerda wieder, nur
den Muff wollte sich das Räubermädchen behalten, der gefiel ihr
all zu gut; dafür gab sie die großen Fausthandschuhe ihrer Mutter
her, die Gerda bis zu den Ellbogen reichten. Und Gerda weinte vor Freude.
"Ich kann es nicht leiden, wenn du heulst!"
sagte das kleine Räubermädchen. "Du sollst jetzt ganz vergnügt
aussehen!
Und da hast du zwei Brote mit Schinken, so
brauchst du nicht zu hungern."
Als das Räubermädchen den Strick
durchgeschnitten hatte, jagte das Rentier sogleich wie der Wind über
Stock und Stein davon. Gerda konnte gerade noch die Hände mit den
großen Fausthandschuhen ausstrecken
und Lebewohl sagen, dann flog sie mit dem
Rentier dahin über Büsche und Stoppeln, durch den großen
Wald, über Sümpfe und Steppen, so schnell es nur laufen konnte.
Die Wölfe heulten und die Raben krächzten.
Am Himmel erschienen seltsame Lichtzeichen,
und es knisterte so sonderbar; es war, als niese er rot.
"Das sind meine Nordlichter!" sagte das Rentier.
"
Schau, wie sie leuchten!" Und dann lief es
noch schneller, Tag und Nacht; und als die zwei Laibchen Brot und der Schinken
verzehrt waren,
kamen sie gerade nach Lappland.
6.
Die Geschichte von der Lappenfrau und dem Finnenweib
Nun waren sie also in Lappland. Gleich bei dem
ersten kleinen Haus hielten sie an; es war ein armseliges Haus! Das Dach
hing fast bis zur
Erde herab, und die Tür war so niedrig,
dass die Familie auf dem Bauch kriechen musste, wenn sie heraus oder hinein
wollte. Hier war aber niemand zu Hause außer einer alten Lappenfrau,
die über einer Tranlampe Fische briet. Das Rentier erzählte gleich
Gerdas Geschichte, zuvor aber seine eigene, denn die kam ihm viel wichtiger
vor, und das kleine Mädchen war auch so von Kälte erstarrt, dass
es nicht sprechen konnte.
"Zur Schneekönigin wollt ihr?" fragte
die Lappenfrau, "da habt ihr Armen noch weit zu laufen, viele Kilometer
noch nach Finnland hinein!
Aber ihr könnt gleich sehen, wo es richtig
ist, denn die Schneekönigin brennt jeden Abend ein Feuerwerk ab. Ich
will euch einen Brief mitgeben für meine Bekannte dort oben, das Finnenweib,
sie kann euch bessern Bescheid geben als ich!"
Die Lappenfrau hatte aber kein Papier, und
so schrieb sie auf einen gedörrten Stockfisch, und es wurde dennoch
ein ganz ordentlicher Brief daraus. Und als nun Gerda sich erwärmt
und zu essen und zu trinken bekommen hatte, ließ sie sich wieder
auf dem Rentier festbinden,
und schon ging es weiter. Oben in der Luft
knisterte es; die ganze Nacht brannten die schönsten blauen Nordlichter
am Himmel, das war der Schneekönigin Feuerwerk. Gerda hielt das Stückchen
Stockfisch fest
an sich gepresst. Und dann kamen sie nach
Finnland und klopften an
den Rauchfang des Finnenweibes, denn ihre
Hütte hatte nicht einmal
eine Tür. Drinnen hatte es eine Hitze,
dass das Finnenweib fast ganz nackt ging; sie war klein und schmutzig,
denn wer mag sich bei solcher Kälte auch viel waschen, und noch dazu
in Schneewasser! Gerda musste die Pelzstiefel und die langen, dicken Fausthandschuhe
ausziehen, denn sonst wäre sie verschmachtet. Das Finnenweib legte
dem Rentier ein Stück Eis auf den Kopf, und dann las sie, was auf
dem Stockfisch geschrieben stand. Sie las es dreimal, dann wusste sie es
auswendig und warf den Fisch in
den Suppentopf; gespart musste werden!
Das Rentier erzählte wieder zuerst seine
Geschichte und dann die von Gerda, und die Finnin blinzelte mit den klugen
Augen, sagte aber nichts.
"Du bist sehr klug", schmeichelte das Rentier,
"du kannst alle Winde der Welt an einen Zwirnsfaden knüpfen; wenn
der Schiffer den einen Knoten löst, bekommt er guten Wind, löst
er den zweiten, dann weht es scharf,
und löst er den dritten und vierten,
so stürmt es, dass die Wälder umfallen. Willst du dem lieben,
kleinen Mädchen nicht einen Trank geben, der ihr Zwölf-Männer-Stärke
verleiht?
Denn nur so kann sie die Schneekönigin
überwinden."
"Zwölf - Männer - Stärke ",
sagte die Finnin, "ja, das allein könnte helfen!" Dann ging sie zu
einem Brett, nahm ein großes, zusammengerolltes Fell hervor und rollte
es auf. Da waren seltsame Buchstaben darauf geschrieben, und das Finnenweib
las, dass ihr das Wasser von der Stirn rann. Aber es schien ihr nichts
einzufallen.
Das Rentier bat noch einmal recht herzlich
für das kleine Mädchen,
und Gerda sah die Finnin mit Tränen in
den Augen an;
in letzter Minute sollte doch nicht alle Hilfe
versagen!
Das Finnenweib zog das Rentier in eine Ecke,
legte ihm frisches Eis auf den Kopf und flüsterte mit ihm. Kay lebe
bei der Schneekönigin sehr glücklich und finde dort alles nach
seinem Geschmack, weil er doch die Glassplitterchen von dem Teufelsspiegel
in seinem Herzen und im Auge stecken habe. Diese müssten erst heraus,
sonst würde er nie mehr ein Mensch werden. Alle Lieben daheim, auch
die kleine Gerda habe er vergessen, so sehr stehe er in der Gewalt der
Schneekönigin.
" Kannst du Gerda nichts eingeben, dass sie
wieder allein Macht
über ihren Kay erhält?" fragte das
Rentier.
"Besitzt sie nicht selbst schon die größte
Macht?" sagte das Finnenweib. "Du und alle anderen Tiere dienen ihr, das
wilde Räubermädchen erfüllte bereits ihre Wünsche,
mit nackten Füßen lief sie ihren mühsamen Weg.
Sie kann nicht von uns solche Macht erhalten,
die sitzt in ihrem unschuldigen Herzen; je stärker ihre Liebe, desto
größer ihre Macht.
Allein muss sie zur Schneekönigin kommen
und Kay die Splitterchen aus dem Herzen und dem Auge ziehen. Wir können
nichts mehr für sie tun! Bring sie noch bis zum Garten der Schneekönigin,
nicht weit von hier,
und setze sie dort bei dem großen Busch
mit den roten Beeren ab.
Eile dich, ehe es zu spät ist!"
So schnell lief das Rentier mit Gerda wieder
fort, dass sie ihre Pelzstiefel und die Fausthandschuhe vergaß; die
Kälte stach wie mit Messern!
Aber das Rentier wagte nicht umzukehren, es
lief, bis es an den Busch mit den roten Beeren kam. Dort setzte es die
kleine Gerda ab, küsste sie auf die Wange, und dabei füllten
sich seine Augen mit großen, blanken Tränen. Dann rannte es,
so schnell es konnte, wieder zurück.
Nun stand die arme Gerda ohne Schuhe, ohne
Handschuhe mitten in dem fürchterlichen, eiskalten Finnland. Sie begann
zu laufen, immer schneller geradeaus. Da kam ihr ein ganzes Regiment Schneeflocken
entgegenmarschiert; aber sie fielen nicht vom Himmel herab,
der war ganz klar und leuchtete von Nordlichtern.
Das waren die Vorposten der Schneekönigin. Sie waren aber keine gewöhnlichen
Schneeflocken, sondern viel, viel größer, sie waren lebendig
und hatten
die merkwürdigsten Gestalten; einige
sahen wie hässliche, große Stachelschweine aus, andere wie ein
ganzer Haufen Schlangen, die die Köpfe vorstreckten, und wieder andere
wie kleine, dicke Bären, deren Haare sich sträubten; alle waren
glänzendweiße, lebendige Schneeflocken.
Da betete die kleine Gerda ein Vaterunser,
und die Kälte war so groß, dass sie ihren eigenen Atem sehen
konnte, der wie Rauch aus ihrem Mund strömte. Aber der Atem wurde
dichter und dichter, kleine Engel wuchsen daraus mit Helmen auf dem Kopf
und Speer und Schild in den Händen.
Es wurden mehr und mehr, und als Gerda ihr
Vaterunser beendet hatte, war ein ganzes Heer um sie versammelt; sie stachen
mit ihren Speeren gegen die hässlichen Schneeflocken, so dass diese
in hundert Stücke zersprangen. Jetzt konnte Gerda sicher und frohen
Mutes weiterziehen. Sie empfand es auch nicht mehr so kalt, denn die Engel
streichelten ihre Hände und ihre Füße; fröhlich eilte
sie auf das Schloss der
Schneekönigin zu.
Kay jedoch, mit dem Teufelssplitterchen im
Herzen, das ihn völlig gefühllos gemacht hatte, saß im
Schloss der Schneekönigin
und ahnte nicht, wie nahe ihm die kleine Gerda
bereits war
7.
Die Geschichte von der Schneekönigin und den beiden Kindern
Kalt und glänzend war die Pracht im Schloss
der Schneekönigin;
weithin funkelten und glitzerten die Wände,
die der Wind aus wirbelnden Flocken zusammengeweht hatte. Man konnte gar
nicht lange hinsehen,
so sehr blendete das Gleißen und Flimmern
die Augen.
Es waren über hundert Säle darin,
und der größte von ihnen erstreckte
sich viele Stunden weit.
Schneidende Winde fegten durch Fenster und
Türen, vom Nordlicht beleuchtet lagen die Räume eisig kalt und
leer da, jede Bewegung war erstarrt. Nie gab es Feste hier, nicht einmal
einen kleinen Eisbärenball,
zu dem doch der Sturm aufspielen würde
und die Eisbären auf den Hinterfüßen tanzen könnten,
oder eine Kaffeejause für die
"Weiß-Fuchs" - Damen. Sonst war es so
still hier wie an dem allereinsamsten Ort der Erde.
Mitten in dem größten, unendlichen
Schneesaal lag ein zugefrorener See. Dieser war in tausend Stücke
zersprungen, und alle Stücke waren gleich geformt, so dass er aussah
wie ein blinkender Stern. Und mitten auf dem Stern thronte die Schneekönigin,
wenn sie zu Hause war, das war ihr liebster Aufenthalt. Der kleine Kay
war ganz blau vor Kälte, ja fast schon schwarz, aber er merkte nichts
davon, denn seine Gebieterin hatte ihm die Frostschauer abgeküsst,
und sein Herz war so gut wie ein Eisklumpen.
Er hockte da und spielte mit scharfen, flachen
Eisstücken, die er aneinander fügte, um verschiedene Figuren
zu legen. Auch Worte fügte
er aus Eisbuchstaben, und das alles hielt
er für so höchst wichtig,
dass er darüber Gerda und die alte Großmutter,
die Rosenstöcke und die Petersilienkistchen zwischen den beiden Dächern
vergaß. Daran war eben das Glaskörnchen von dem Teufelsspiegel
schuld! Nun sollte er noch herausfinden, wie das Wort "Ewigkeit" aus den
Eisbuchstaben zu legen sei, aber das wollte ihm nicht gelingen.
"Wenn du mir dieses Wort zusammenstellen kannst",
hatte die Schneekönigin gesagt, "dann sollst du dein eigener Herr
sein, und ich schenke dir die ganze Welt und noch ein Paar neue Eisschuhe
dazu!"
Aber er konnte es nicht.
Eines Tages bekam die Schneekönigin Lust,
wieder einmal fortzufliegen, diesmal nach den südlichen Ländern.
"Ich will mir den Vesuv ansehen,
ihn ein wenig weiß machen und in sein
Feuer spucken! Das gehört dazu; das wird den Weintrauben und Zitronen
wohl bekommen!" sagte sie.
Und dann flog die Schneekönigin davon,
und Kay saß ganz allein in dem riesigen, leeren Eissaal und schaute
die Eisstücke an und dachte und dachte, so dass es in ihm knackte;
ganz steif und still saß er da,
man hätte meinen können, er sei
tot.
Da betrat Gerda durch das große Tor das
Schloss. Die eisigen Winde sprangen ihr entgegen, aber sie sprach ihr Abendgebet,
und sogleich legten sich die Winde, als wollten sie schlafen, und Gerda
ging weiter; sie trat in die großen, leeren Säle ein - da sah
sie Kay, sie erkannte ihn, sie flog ihm um den Hals, hielt ihn fest und
rief: "Kay, lieber, kleiner Kay!
so habe ich dich endlich gefunden!"
Aber Kay blieb kalt und stumm; da weinte Gerda
heiße Tränen, sie fielen auf seine Brust und drangen in sein
Herz hinein, sie tauten den Eisklumpen auf und schwemmten das Teufelssplitterchen
fort; er sah sie an, und sie begann leise zu singen:
"Rosen, sie blühn und verwehn,
wir werden das Christkindlein sehn!"
Da weinte Kay, so dass das Spiegelkörnchen
aus seinem Auge heraus rollte, er erkannte sie und jubelte: "Gerda, süße,
kleine Gerda! - wo bist du so lange gewesen, und wo bin ich gewesen?",
und er blickte um sich. "Wie kalt ist es hier, wie leer und groß!"
Und er hielt sich an Gerda fest, und sie lachte
und weinte vor Freude;
sie waren so glücklich, dass selbst die
Eisstücke vor Freude umhertanzten, und als sie müde waren und
sich niederlegten, lagen sie gerade in den Buchstaben, die die Schneekönigin
haben wollte und wofür sie dem kleinen Kay die ganze Welt und noch
ein Paar Eisschuhe dazu versprochen hatte.
Und Gerda küsste Kays Wangen, da wurden
sie blühend; sie küsste seine Augen, da leuchteten sie wie die
ihren; sie küsste seine Hände und Füße, und er war
gesund und munter.
Nun mochte auch die Schneekönigin nach
Hause kommen - da stand das Wort aus glänzenden Eisbuchstaben gefügt,
und Kay war frei, frei für die ganze Welt, frei für Gerda, frei
durch ihre opferwillige Liebe.
Weithin strahlte das Wort: " Ewigkeit ".
Und sie fassten einander bei den Händen
und wanderten zum Schlosstor hinaus; sie sprachen von der Großmutter
und von den Rosen oben auf dem Dach, und wo immer sie gingen, verstummten
die eisigen Winde, und die Sonne brach hervor. Bei dem großen Busch
mit den roten Beeren aber wartete das Rentier; sie tranken von seiner süßen
Milch und fühlten sich neu gestärkt. Das Rentier brachte sie
zu dem Finnenweib; dort aßen sie Stockfischsuppe und wärmten
sich in der heißen Stube für die Weiterreise aus. Dann kamen
sie zur Lappenfrau, die ihnen neue Kleider genäht
und den Schlitten in Ordnung gebracht hatte.
Und das Rentier sprang neben dem Schlitten
her und begleitete sie noch bis zur Grenze des Landes; dort sprosste schon
das erste Grün, und dort nahmen sie Abschied. "Lebt wohl!" riefen
sie alle, und die erste kleinen Vögel begannen zu zwitschern, der
Wald hatte grüne Knospen, und aus ihm kam ihnen ein prächtig
geschmücktes Pferd entgegengesprengt;
Gerda erkannte es, denn es war das Pferd,
das vor ihre goldene Kutsche gespannt gewesen war. Das wilde Räubermädchen
saß darauf mit einer roten Mütze auf dem Kopf und Pistolen im
Gürtel. Das Räubermädchen hatte es nämlich satt bekommen,
mit seinen wilden Gefährten weiter im Wald zu hausen, und nun wollte
es in die Welt hinausreiten, dorthin,
wo es am schönsten sei. Sie erkannte
Gerda gleich, und Gerda erkannte sie - das war eine Freude! "Ach, da ist
ja dein Kay, der kleine Ausreißer!" sagte das Räubermädchen.
"Ich möchte wohl wissen, ob du es verdienst, dass man deinetwegen
bis ans Ende der Welt läuft!"
Gerda fragte nach dem Prinzen und der Prinzessin.
"Die sind nach fremden Ländern gereist",
sagte das Räubermädchen. "Und die Krähe?" fragte Gerda.
"Ja, die Krähe ist tot!" antwortete das Räubermädchen. "Die
zahme Krähenfrau ist Witwe geworden und trägt nun ein Stückchen
schwarzen Wollfaden um das Bein; sie klagt jämmerlich! - Aber erzähl
mir nun, wie es dir ergangen ist und wie du ihn gefunden hast.!"
Und Gerda und Kay erzählten beide.
"Schnipp-schnapp-schnurre, wenn ich einmal
in die Stadt komme, dann besuche ich euch!" rief das Räubermädchen
noch zum Abschied,
und dann ritt es weiter, in die weite Welt
hinaus.
Kay und Gerda gingen Hand in Hand, und es war
schöner Frühling mit Blumen und Grün; die Kirchenglocken
läuteten, und sie erkannten die hohen Türme der Stadt, in der
sie wohnten, und sie gingen in die Stadt hinein und hin zu Großmutters
Tür, und die Treppe hinauf, in die Stube hinein, und da stand alles
noch am selben Ort wie früher; die Uhr sagte: "Tick! Tack!" und der
Zeiger drehte sich.
Die Rosen in der Dachrinne blühten zum
offenen Fenster herein;
dort standen noch die kleinen Kinderstühle,
und Kay und Gerda setzten sich hinein und hielten einander bei den Händen.
Die kalte, leere Herrlichkeit der Schneekönigin
hatten sie beide wie einen schweren Traum vergessen.
Die alte Großmutter saß beim Fenster
in der Sonne und las ihnen aus einem vergilbten Buch vor:
"Und werdet ihr nicht wie die Kinder, so werdet
ihr das Reich Gottes
nicht schauen!"
"Ja, nun verstanden Kay und Gerda das alte
Liedchen:
" Rosen, sie blühn und verwehn,
Wir werden das Christkindlein sehn! "
Da saßen sie beide, erwachsen und doch
in ihrem Herzen Kinder,
und es war Sommer, blühender, gesegneter
Sommer. |