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Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
|
| Auf den ersten Blick mag es so etwas wie ein "Öko-Gedicht"
mit seinem Appell an die Achtung vor der Schöpfung sein. Doch Goethe
schrieb dieses Gedicht genau ein Vierteljahrhundert, nachdem er seine Christiane
"gefunden" hatte, nämlich im August 1813. Christiane ist also das
Blümchen, das er fand; sie wehrte sich gegen das Ansinnen einer leichtfertigen,
kurzen Liebesbeziehung, die ihren gesellschaftlichen Ruf und damit ihre
Heiratsfähigkeit empfindlich beeinträchtigt hätte - "soll
ich zum Welken gebrochen sein"? Heute mag emanzipierten Frauen die Selbstdarstellung
Goethes als treusorgender Gärtner, der das zarte Pflänzchen Christiane
durch Eingraben in seinem (!) Garten vor dem Verwelken rettet, nicht passen.
Doch darüber hinaus ist es auch noch eine Beschönigung der Tatsachen;
denn mit dem "Eingraben", d.h. der Eheschließung, ließ Goethe
sich noch 18 Jahre Zeit...
Buchtipps:
Goethe / Verena Ballhaus Gefunden
Bajazzo 2003
Bilderbuch zum berühmtem Gedicht
Wie
herrlich leuchtet die Natur. Gedichte und Bilder
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"Lesen ist wie Schokolade für die Seele"
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