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Karl Heinz Hanisch nennt in seinem Buch "Erlebte Rose" die Autorin Alma de L'Aigle "die Malerin unter den Rosengärtnern, Malerin mit Worten, die sie so sauber u. dicht aneinander setzte wie eine Centifolie ihre Blütenblätter. Es gibt keine vollendeteren Portraits." Aus der Buchbesprechung im Hamburger Abendblatt vom 6.9. 1957 : "Das Schlußkapitel „Die Rose in der Welt“ ist reine Poesie. Was Alma de L´Aigle über die Macht der gewaltlosen Schönheit auszusagen hat, ist von Jean Paul`scher Eindringlichkeit". Alma de l'Aigle beschrieb die Rosen nicht, sie begegnete ihnen! Nach einleitenden Themen wie "Welche Bücher über Rosen gibt es?", "Die Vermehrung der Rosen und Züchtung neuer Rosensorten" folgen die 700 ausführlichen, unnachahmlichen Rosenbeschreibungen -historisch nach den Klassen und dort jeweils nach Farben und Erscheinungsjahr geordnet, in denen sie auch Negatives nicht verschweigt. Einzigartig ist das Vokabular der Autorin für Duftbezeichnungen, auf das sich viele spätere Autoren beziehen. Sie bringt nicht nur die übliche Einteilung in schwach, mittel, stark - nein, hier wird der Duft sowohl in seiner Intensität und Dauer als auch in seinem Verhalten genau analysiert. Dabei stellt sie die berechtigte Frage, warum nicht für Rosen gilt, was für Wein längst gebräuchlich ist, nämlich eine Aussage über die spezifischen Duftnoten der einzelnen Rosen, ihre Zuverlässigkeit und deren Beständigkeit. Und so unternimmt sie den ungewöhnlichen Versuch, Rosendüfte mit einem Vokabular in Klassen einzuteilen, das aus vergleichenden Adjektiven besteht und den Rosenduft in Bezug auf Temperament, Zuverlässigkeit und Wesen umschrieben. So legt sie für das Temperament z. B. folgende Begriffe fest: hauchend - strömend - ausbreitend raumfüllend - spurenhaft - - zurückhaltend. Für die Zuverlässigkeit u.a. Duft nur ganz kurze Zeit in einer bestimmten Phase des Aufblühens- - Duft erscheint nur bei Regenwetter – Duft am stärksten in der Mittagssonne – launisch- duftet nur in bestimmten Gegenden – Duft verändert sich – ist treu, bleibt immer da und immer stark – immer da, aber wechselt stark sein Wesen Für das Wesen des Duftes: u. a. grosses Bukett - warm -kühl- herb getrübt - vornehm - berauschend- krautig - Allein das Kapitel Duft lohnt schon die Anschaffung dieses Klassikers! Im letzten Teil geht es dann u. a. um "Das Laub der Rosen", "Kräuter als Kameraden der Rosen", "Rosen auf dem Friedhof" (jawohl...!) und schließlich "Rosen drinnen im Zimmer". Da die Autorin aktives Mitglied des Vereins Deutscher Rosenfreunde war, erfährt man nebenbei auch noch einiges von ihren Erfahrungen und Bekanntschaften innerhalb des Vereins und auch von ihren Kenntnissen über die Züchter der Rosen. Das alphabetische Rosenregister am Schluß des Buches enthält die lauttreue Aussprache der ausländischen Namen - auch etwas ganz Neues, das nie wieder auftaucht in anderen Rosenbüchern. Allerdings ist es keins der heute mit Vorliebe produzierten hochglänzenden Gartenratgebern – „nur“ Text findet sich... und die aus heutiger Sicht teilweise recht befremdlichen wissenschaftlichen Erläuterungen mögen manche ein wenig stören – das muß ehrlicherweise auch gesagt werden... Aber es ist ein betörendes Buch, das Bilder gar nicht benötigt, weil es den Zauber der Rosen in Sprache verwandelt. Die karminfarbene "Madame Butterfly", so de l'Aigle, sei eine Rose, "die man ebenso sehr lieben muss wie Ophelia, eine Seelenrose"; die "Volcano" dufte wie "Tee, der zu lange gezogen hat", die "Madame René Coty" sei gar "eine ganz besondere Rose, prächtig und zugleich von starker, fraulicher Wärme durchströmt", ihr Duft "leicht und schwer zugleich, wie nach einem rötlichgelben Südwein, der schwer wäre, wenn man ihn tränke". Für mich ist dieses Buch schon seit dem Nachdruck von 1975 "die Rosenbibel" schlechthin. Hier erzählt Alma de L`Aigle vom elterlichen Rosen-und Obstgarten in Hamburg-Eppendorf. Das verwilderte Paradies erinnert an die Zeit der ersten Bepflanzung, die den Grundstein zu ihrer Rosenliebe legte. Eigentlich hatte sie Malerin werden wollen (die Äpfel auf dem Buchdeckel sind von ihr gemalt), doch dann ging sie in den Schuldienst. Nach ihrem und dem Tod der Schwester verwahrloste der Garten in Hamburg-Eppendorf und sollte schliesslich von Baggerschaufeln untergepflügt werden, um Neubauten Platz zu machen. Anke Kuhbier (siehe auch Lawson, "Jahr f. Jahr" und "Monet`s Garten") - sie war eine der Gründerinnen der "Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur " in Hamburg, die es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, zumindest einen Teil von Alma de L`Aigles Kindertraumgarten zu retten, hat dieses 1948 zum ersten Mal erschienene Buch wieder mitaufgelegt. Lassen Sie sich entführen in diese versunkene, aber sehr lebendig geschilderte Welt eines alten Gartens! Sie werden, denke ich, mehr und fundierter über alte Obstsorten, Rosen und andere Gartenpflanzen u. -gehölze "unterrichtet", als in manch neuen Gartenwerken! ![]() ![]() Empfehlen Sie uns per E-Mail weiter | zurück an den Anfang Kategorien Homepage Garten Literatur: Gartenbücher | Leselaube (Gedichte, Zitate) | Pflanzen | Gartenkalender | Gartenpersönlichkeiten | Gartenküche | Linktipps Besuchen Sie auch: Gartenblog | Gartenreise-Blog | Reisefotos | Kostenloser Grußkartenservice | Facebook Maria Mail-Brandt | Twitter GartenLiteratur © Text und Design 1999-2010: Maria Mail-Brandt | © Musik: B. Krueger | URL: http://www.garten-literatur.de |