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Graf Hermann von Pückler (Fürst ab
1822), deutscher Landbesitzer und als Landschaftsarchitekt ein begnadeter
Autodidakt, Literat und Weltenbummler, der durch durch seine Schlossparks
Branitz und Muskau weltberühmt wurde, war eine der schillerndsten
Persönlichkeiten seiner Zeit. Schon zu seinen Lebzeiten wurden zahlreiche
Biographien, Artikel und Feuilletons sowie Rezensionen über seine
Person und sein künstlerisches Schaffen als Schriftsteller, Garten-
und Landschaftsgestalter sowie als "Reisender der Gesellschaft" verfaßt.
Geboren im Schloss zu Muskau als erstes Kind einer kaum fünfzehnjährigen Frau genoß er eine wechselhafte Schul - sowie Ausbildung zwischen 1794 und 1804: Internatsschule der Herrenhuter Brüdergemeinde in Uhyst / Spree, Pädagogium in Halle, Stadtschule Dessau, abgebrochenes Jurastudium an der Leipziger Universität und kurzer Militärdienst im Garde du Corps in Dresden (wo er sich durch zahlreiche Eskapaden den Ruf des "tollen Pückler" erwarb) , zwischenzeitliche Aufenthalte in Muskau. 1807 - 1810 machte er umfangreiche Reisen und
Wanderungen: Ulm, Wien, München, Konstanz, Luzern, Mailand, Bern Genf,
Lyon, Avignon, Arles, Marseille, Genua, Rom, Neapel, Venedig, Turin, Straßburg,
und Paris; ein Teil der Tagebuchaufzeichnungen dieser Jahre erschienen
1810 und 1812 besuchte er Goethe (mit dem schon korresponierte) in Weimar und sprach mit ihm über Landschaftsgärtnerei. Der Dichterfürst beurteilte seine Pläne: "Verfolgen Sie die Richtung. Sie scheinen Talent dafür zu haben" (Übrigens nannte man den Fürsten später auch: "Goethe der Landschaftsgärtnerei"). 1814 Reise nach England. Er studierte dort u. a. Stourhead, den ersten bedeutenden Landschaftsgarten überhaupt, arbeitete persönlich mit und nahm ihn später als Vorlage für seinen Park in Muskau. 1815 nach dem Erbe der Standesherrschaft Muskau
startete er am 1. Mai den Aufruf zur Schaffung des Muskauer Parks "An die
Bürgerschaft von Muskau" , in dem er seine Parkpläne verkündete.
1817 heiratete er am 9.10. Lucie, die geschiedene
Gräfin Pappenheim, Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg.
1822 Verleihung des Fürstentitels 1823 Am 23. Juni: Eröffnung von Park und Bad Muskau. Von Anfang an war der Park für die Öffentlichkeit zugänglich. 1826 Seine Parkvision trieb ihn allerdings
in den Ruin: er verschuldete sich in hohem Maß. Der Ausweg war eine
reiche Heirat, deshalb erfolgte die "Pro-Forma-Scheidung" von Lucie,
denn an eine wirkliche Trennung dachten beide nicht und so lebten
sie weiter zusammen. Pückler brach zu seiner 2. Englandreise
auf (1828 reiste er zwischenzeitlich nach Irland), die vor allem eine reiche
Braut bringen sollte ("Brautreise"). Brachte die Englandreise (bis 1829)
auch keine reiche Frau, so begründete sie doch den Ruhm Pücklers
als Schriftsteller, denn
1834 bis 1840 große Orientreise, Stationen u.a. Paris, Toulon, die Pyrenäen, Algerien, Tunesien, Malta, Griechenland, Kreta, Ägypten mit Reise bis Südlich Karthums, das heilige Land, Syrien und die Türkei, Rückkehr über Schwarzes Meer und Donau mit dem Schiff bis Budapest, weiter mit der Kutsche über Wien zurück nach Bad Muskau. 1837 kaufte er in Ägypten Machbuba, die
für ihn Pflegetochter, Dienerin und Geliebte war bis zu ihrem Tod
1840. (Thomas Stapel komponierte eine Machbuba-Suite
für Orchester, die auf ihr Leben Bezug nimmt). Da er sie
nicht auf Schloss Muskau unterbringen konnte (seine Frau verbot es ihm
aus Eifersucht) ging er mit ihr für´s erste ins Jagdschloß
Weißwasser. Die Beziehung Pücklers zu der dunkelhäutigen
Sklavin wurde zum Gegenstand des fasziniert-empörten Klatsches
im damaligen Europa.
1842 Entwurfsarbeiten für den Park um
das Schloß Babelsberg, dem Sitz des Prinzen von Preußen, des
späteren Kaisers Wilhelm I.
1845 Der "Ein Meister der Verschwendung - so
etwas wie das ostdeutsche Gegenstück zum bayrischen "Märchenkönig"
Ludwig II." wird er in einem Artikel des Tagesspiegel genannt - mußte
in diesem Jahr Muskau verkaufen, wurde dadurch aber schuldenfrei. Er
siedelte mit seiner geschiedenen Frau nach Schloss Branitz über, wo
er den Rest seines Lebens verbrachte.
1846 begann er mit der Gestaltung des Branitzer Parks. Der Fürst-Pückler-Park Branitz an dem er bis zu seinem Lebensende 1871 arbeitete, gilt heute als letzter großer deutscher Landschaftspark des 19. Jahrhunderts. Er ließ etwa 100 000 Kubikmeter Erde bewegen, um seinen Park zu ,,formen". Außerdem gelang es ihm, mehrere jahrhundert alte Bäume zu verpflanzen. Mit dem "Baumverpflanzwagen" holte er die schönsten Exemplare nach Branitz. (einen Nachbau dieses Wagens kann man heute im Gutshof bestaunen). 1850 Das ehemalige Gutshaus im Barockstil -
das "Eingangstor" ließ Pückler bis 1858 nach Bauplänen
von Gottfried Semper umgestalten. Es war mit dem Gutsinspektorenhaus, verschiedenen
Ställen, Scheunen und sogar einem Gefängnis sein Wirtschaftsbereich
und die ökonomische Basis für die weitere Gestaltung des Branitzer
Parks.
1851 Dritte Englandreise, über Hannover
nach London zur 1. Weltausstellung.
1854 verstarb seine Frau Fürstin Lucie, die zuletzt an den Rollstuhl gefesselt war. Varnhagens Nichte, die sich auch später um Pückler kümmerte, betreute sie längere Zeit. (Sie war auch die Herausgeberin der neun Bände ,,Briefwechsel und Tagebücher des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau", die 1874-1876 in Berlin erschienen und Verfasserin seiner ersten Biographie). Pückler verließ fast kopflos vor Trauer Branitz für zwei Jahre und versuchte auf Reisen seine Fassung wiederzugewinnen 1861 Arbeiten am Babelsberger Garten. 1865 Einspruch gegen Linienführung der
Eisenbahn durch den Branitzer Park.
Kunst ist das Höchste
und Edelste im Leben,
1871 Tod des Fürsten Pückler am 4.2. Für seinen Tod hatte er entsprechende Anweisungen hinterlassen: Danach war sein Herz zunächst in einem Säurebad aufzulösen. Anschließend wünschte der Fürst in alle Ewigkeit mit seinem Park verbunden zu bleiben – und zwar in der inmitten eines Teichs aufragenden großen Pyramide, an seiner Seite die getreue Schnucke. So kam es dann auch - 1884 wurde der Sarg Lucies in den Tumulus, die Seepyramide im Branitzer Park überführt. Der Besitz geht über an seinen Neffen, Graf Heinrich von Pückler. Den literarischen Nachlaß erbte Ludmilla Assing, die 1873-1874 daraus eine Biografie des Fürsten schrieb und seine Briefe und Tagebücher (9 Bände) 1873-76 herausgab. 1860 hatte sie bereits die skandalträchtigen Briefe Alexander von Humboldts und später die Tagebücher Varnhagens (14 Bde., 1862-1870) herausgegeben. 1945 wurde Bad Muskau zu 70 Prozent zerstört
(ein kleiner sowjetischer Soldatenfriedhof am Rand des Parks erinnert an
die Kämpfe) und seitdem läuft die deutsch-polnische
Grenze durch Bad Muskau und den Park. Aber beide Seiten bemüht man
sich seit einigen Jahren gemeinsam darum, ihm sein einstiges Aussehen wieder
zu geben. Das alte Schloss, ein Massivbau um 1325, ist im 2. Weltkrieg
ausgebrannt und wurde in den Jahren 1962 bis 1968 wieder aufgebaut. Es
dient als Standesamt, Konzertsaal und beherbergt das Stadt- und Parkmuseum
Bad Muskau.
1994 wurde die Orangerie restauriert (sie soll
von Gottfried Semper mitgeplant worden sein).
2005 Oper in zwei Akten Fürst Pückler - Ich bin ein Kind der Fantasie Enjott Schneider; Uraufführung im April 2006 am Theater Görlitz. Der Gartenfürst - auch ein GourmetUnd schließlich muß natürlich noch erwähnt werden, daß der Fürst auch ein Gourmet war. "Der Gartengestalter und Reiseschriftsteller Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785 Muskau – 1871 Branitz), genannt „der tolle Pückler“, war nicht nur toll, sondern liebte die Einsamkeit ebenso wie ein gutes Gespräch bei einem guten Essen in Gesellschaft weniger, aber ausgesuchter Gäste. Ab 1854 verzeichneten handschriftlich geführte „Tafelbücher“ die dabei servierten Menüs und die anwesenden Gäste. Diese Bücher sind erhalten geblieben." (Quelle)Das wohl berühmteste Speiseeis der Welt, das Fürst-Pückler-Eis, hat nicht der zwar als Gourmet bekannte Fürst von Pückler-Muskau erfunden, sondern ein Cottbusser Konditor - und sie nach seinem Standesherren benannt. Dabei bezog er sich optisch auf das Haus Pückler-Muskau, in dem er sich den Farben des Familienwappens - schwarz, gelb, rot - orientierte. - hier eines von vielen "Originalrezepten". Weitere Pückler-Eisbecher wie "Pücklers blauer Garten", "Fürst-Pückler-Becher" und "Machbuba-Eisbecher" bietet die Speisekarte 2007 des Moorbades Bad Muskau an (PDF-Datei). Und hier gibt es Akazienblüten à la Pückler sowie weitere Pückler-Rezepte. Die Fürst-Pückler-Torte (angeblich auf ein Original-Rezept des Fürsten Pückler zurückgehend, der damit einer Angebeteten ein genußreiches Kompliment machte) ist eine Torte aus in Kirsch-Likör getränktem weißem und dunklem (Schokoladen-) Biskuit mit einer Füllung aus Erdbeer-Creme (soll die Liebe symbolisieren), , Vanillecreme (für die Leidenschaft)- und Schokoladen-Creme (für die Sehnsucht) , einem Überzug aus Kuvertüre sowie einer Verzierung aus kandierten Kirschen. Sie orientiert sich an einer vereinfachten Version des Fürst-Pückler-Eisdesserts.
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© Text und Design 1999-2010: Maria Mail-Brandt | © Musik: B. Krueger | URL: http://www.garten-literatur.de