Peter Altmann, gelernter Gärtner, fand nach
seinem Kriegsdienst und Gefangenschaft 1948 eine Stellung bei Karl Foerster
in Potsdam-Bornim..
"Im Katharinenholz stand ich plötzlich
vor einer großen Tafel: "Karl Foerster, Staudenkulturen". Wie angewurzelt
blieb ich stehen, ...ich erinnerte mich seiner [des Vaters] späteren
Worte, daß er in einer Gärtnerei Foerster immer seine Pflanzen
gekaufte hatte. Niemals war mir der bisher der Name irgendwie begegnet.
...Bald darauf, es war ein sonniger Tag im März 1948, standen wir
mit unserem kleinen Umzugswagen in der Durchfahrt der Gärtnereischuppen
und viele Leute Leute umringten uns. Ein großer, älterer, freundlich
aussehender mann kam uns mit ausgestreckten Händen entgegen. Das konnte
nur Karl Foerster sein! ...Es dauerte nicht lange, bis Karl Foerster mich
bat, ihn nach dem Feierabend beim fast täglichen Rundgang durch die
Anpflanzungen zu begleiten. "Bring Gießkanne und Etiketten mit!"
...Überrascht war ich, mit welcher Sicherheit Foerster aus hunderten,
nein tausenden für mich fast gleich aussehenden Blüten die besten
herausfand. ... Als mir dann die Bepflanzung und ein halbes Jahr darauf
die Betreuung und Pflege des Foersterschen Schau- und Sichtungsgartens
auf der Potsdamer Freundschaftsinsel übertragen wurde, begann ich
zu fotografieren, um die Entwicklung der Anlage im Bilde festzuhalten....Wir
Gärtner und Gärtnerinnen, Studenten und ungelernten Hilfskräfte
fühlten uns als ein von Foerster eingespieltes Team, ohne uns aus
dem Gärtnervolk anderer Betriebe herausheben zu wollen. Doch unser
Karlchen, so wurde er bei uns in verehrungswürdiger, doch abstandsloser
Bindung an seine Person genannt, war doch etwas Besonderes. Das schon allein
durch die vielen Besucher, die im Haus dort oben am Raubfang ein- und ausgingen,
mit denen er Rundgänge durch seine Gärtnerei unternahm und an
die er gelegentlich auch Blumen und einzelne Pflanzen verschenkte (was
Hofer nicht gerne sah)". Die enge Bindung an Foerster und seinen Bornimer
Kreis - Architekten, Künstler und Gärtner - gab dem jüngeren
Altmann Selbstvertrauen. Forderte ihn. 1966 wurde Altmann vom VEB Grünanlagen
Potsdam als Gärtnermeister übernommen. Von da an er war er offiziell
bis zu seinem Ruhestandsantritt 1980 der "Inselgärtner" auf der Freundschaftsinsel
in Potsdam. "Als ich 1952 die ersten Arbeiten auf der
Freundschaftsinsel unternahm, war das ganze Gebiet noch mit Schützengräben
durchzogen. Es sehr viel Munition herum. Ich habe die Sachen, zum Teil
große Granaten, einfach auf den Arm genommen und in die Havel geworfen.
Angst? Nein, nicht mehr. Und wer hätte sich sonst darum kümmern
sollen?" "Potsdam im Spiegel" , ein Veranstaltungskalender,
brachte von 1966-1971 jeden Monat seinen Bericht von der Insel. Diese gänzlich
unpolitischen Berichte waren für die Bürger in dieser Zeit politischer
Gängelei sehr wohltuend, wurden aber 1972 "wegen Platzmangel" eingestellt.
(Auszüge daraus in seinem Buch: Der
Inselgärtner). Nach wenigen Jahren erhielt er die Freiheit, nach
eigenem Ermessen Um- und Neupflanzungen vorzunehmen. "Gewiß habe
ich mir, als Angestellter der VEG Grünanlagen, etliche Freiheiten
erlaubt, wodurch es zu Konflikten kam". Vieles wäre unterblieben,
"wenn ich keinen "Betrieb im Betrieb", wie man es, mich entschuldigend,
nannte, gemacht hätte".
Ab 1968 hielt Altmann Vorträge - nach
der Wende auch oft im Westen. In Vorbereitung der X. Weltfestspielen
der Jugend 1973 kam es allerdings zu brutalen Umgestaltungen. "Damals
ist leider auch der häßliche Springbrunnen auf der Insel gebaut
worden. Wir hätten einen ganz anderen bekommen können,
aber wegen dem Emblem der Weltjugend wollte die Partei nun mal diesen" Altmann war neben Christian Grunert
einer der ersten DDR-Mitglieder des westdeutschen Vereins Deutscher Staudenfreunde.
Zum Treffen auf dem Bornimer Gehöft schreibt er: "Man muß bedenken, daß wir
zu dieser Zeit in der DDR keine illegalen Versammlungen oder Treffen veranstalten
durften, auch wenn in Bornim bei Foerster, der als "Aushängeschild"
galt, gewisse Ausnahmen geduldet wurden, so doch auf keinen Fall woanders.
Allem zum Trotz - besser gesagt, zum Heil -, versammelten wir uns auf dem
Bornimer Gehöft". Ich habe später dann noch dreimal solche Treffen
ermöglicht. Die Treffen fanden in der Bornimer Kirche statt, im Potsdamer
Kulturhaus, dessen Leiterin uns ebenfalls vor politischem Argwohn beschützte
und zuletzt noch in unserer Wohnung in Caputh, wo wir zweiunddreißig
Personen, darunter Karl Foerster, zu Gast hatten.
Fast 80jährig wird er von Gartenarchitekt
Klaus Kaiser (den man als "Enkel Peter Altmanns" bezeichnet) für die
gemeinsame Überarbeitung der "Lebenden
Gartentabellen" in die Geheimnisse des Computers eingeweiht;
86 jährig gab er - unterstützt von Uwe Peglow - seine Erinnerungen
heraus. Darin empfiehlt er das Naturerlebnis "gegen die Ängste und
Unruhe des Herzens". 1999 war er mit Konrad Näser und
Uwe Peglow auf der "Illertissener Gartenlust" zu Gast, um am "Foersterschen
Rundgespräch" teilzunehmen.
1997 erhielt er die höchste Auszeichnung
des Bundes Deutscher Staudengärtner - den Karl-Foerster-Ring.
"Der Garten muss die vollkommene Harmonie
des Menschen mit der Natur sein", erklärt der zierliche, feingliedrige
Mann, und ganz vorsichtig läuft er über seinen "Nuss-Schalenweg".
Der ist entstanden, weil er ihn mit den Schalen des Wallnussbaumes bedeckt,
der gleich nebenan steht. "Das knackt beim Laufen so schön."
Sein Garten in Caputh am Schwielowsee war -
ist, da er auch nach seinem Tod noch besichtigt werden kann - eine
touristische Attraktion, 1700 Quadratmeter auf sandigem märkischen
Grund. Gladiolen oder Edelrosen wird man allerdings dort nicht finden.
"Viel zu protzig und anspruchvoll", sagte er. Das seien die Diven der
Blumenwelt, und die hätten in seinen Beeten nichts zu suchen. Dort
wachsen Steingutgewächse und Kräuter. Peter Altmann hat
jeden einzelnen Stein für den Steingarten mit eigenen Händen
an seinen Platz geschleppt. Es gibt Erhebungen aus Kalkstein und Korallenkalk,
aus Granit und Findlingen. Jede Gebirgsart ist durch Hohlwege getrennt
- es ist ein Naturgarten im besten Sinne, seit 2001 sogar denkmalgeschützt. "So, jetzt gehen wir ins Paradies"
- mit diesen Worten geleitete er seine Besucher in seine Garten.
"Der Garten muss die vollkommene Harmonie des Menschen mit der Natur
sein", erklärt der zierliche, feingliedrige Mann, und ganz vorsichtig
läuft er über seinen "Nuss-Schalenweg". Der ist entstanden, weil
er ihn mit den Schalen des Wallnussbaumes bedeckte, der gleich nebenan
steht. "Das knackt beim Laufen so schön." „Es sollte möglichst das ganze Jahr
durchblühen. Und nicht soviel Rasenflächen. Denn nach Karl Foersters
Ausspruch, der Rasen ist zum rasend werden, sollten wir lieber Blumen pflanzen.“ Und es findet dieGarten-Diva "Rose"
in seinem Paradies zum Schluss dann doch noch einen Platz. "Vor dem
Briefkasten muss man eine Rose pflanzen, eine altmodische Strauchrose am
besten", so Altmann. "Denn es gibt nichts Schöneres, als Briefe von
geliebten Menschen zu bekommen und dabei Rosenduft einzuatmen."
Peter Altmann starb am 31.12.2005 neunzigjährig
nach längerer Krankheit. Zum Schluß konnte er nach einem Schlaganfall
nur mehr im Rollstuhl seinen Garten genießen.. Selbst im Jahr seines
Todes war er noch mit eigener Kreation an einer Vasenausstellung auf der
Freundschaftsinsel beteiligt. „Gott hat einen guten Gärtner
gebraucht“, sagte in seiner Predigt bei der Trauerfeier der Caputher
Pfarrer Hans-Georg Baaske. "Und so hat er Peter Altmann in sein Paradies
geholt" Die Familie Seidler, heutige Eigentümer
des Gartens, hat sich verpflichtet, den Altmanngarten in seiner originalen
Substanz zu erhalten und ermöglichen Gartenliebhabern in begrenztem
Umfang die Erkundung des Gartens.
Info Gartenbesichtigung: Peter Altmann
Familie Seidler Geschwister-Scholl-Str. 33 14548 Caputh Tel.: 033209/70662 (Bitte nicht in der Mittagszeit und spätabends
anrufen)
Buchtips:
Altmann, Peter Der
Inselgärtner. Die Lebensgeschichte von Peter Altmann. 200 S. Schibri
Milow 2005 Begegnungen
im Garten. Gedanken, Erinnerungen und
Überzeugungen 172 S. Schibri Milow 2003